Frau mit Megaphone
© shutterstock_114399190.jpg
Blick in die Fachzeitschriften der Grundschule

Medien und Digitalisierung

Im Fokus der Beiträge des aktuellen Grundschulmagazins 5/18 aus dem Oldenbourg Verlag, steht die Auseinandersetzung mit der von den Bundesländern vorangetriebenen Digitalisierung schulischer Hard- und Software und die damit verbundene didaktische Herausforderung. Dies bedeutet, dass Medien, wie Smartphone und Tablet, adäquat in Unterrichtseinheiten berücksichtigt werden. Das vorliegende Heft wirbt mit seinem Praxisteil für eine "zeitgemäße Pädagogik". Sie umfasst allgemeine Medienkunde und präsentiert Fächer- bzw. Lehrplan bezogene Unterrichtsbeispiele in Deutsch und Mathematik. Weiterhin wird die Reihe "Fair Play" zum Konfliktmanagement in der Klasse, "Lerntagebücher im Mathematikunterricht" und "Deutsch als Zweitsprache" fortgesetzt. Buchvorschläge und Nachrichten aus dem Grundschulverband runden das Heft ab.

Renate Mann

Digitale Zukunft und Pädagogik in Einklang bringen

In dem "Basisbeitrag Medien und Digitalisierung" betrachtet der Autor Nico Schneider kritisch bestehende Praktiken und die reale Schulsituation in Ausstattung und mit dem Umgang neuer Medien. Er zeigt auf, welche Möglichkeiten es auch in finanzieller Hinsicht geben kann.

Eine gelingende Digitalisierung im Schulbereich gründet seiner Meinung nach auf vier entscheidenden Pfeilern:

  • Adäquat geplanter und durchgeführter Unterricht.
  • Eine ausreichende IT-Ausstattung.
  • Ein technischer "Support".
  • Ein passendes Medienkonzept, das von allen schulischen Akteuren auf-und  ausgebaut wird.

Der Autor weist darauf hin, dass ein Einsatz digitaler Medien nicht per se zum Lernerfolg führt und zeigt an einem Unterrichtsbeispiel den Weg von didaktisch inszeniertem Input zu einer medial selbst erstellten Präsentation. Er schließt mit einer der Pädagogik immanenten Erkenntnis: " Für den Medieneinsatz wie für alle Situationen gilt: Man wächst nur außerhalb der Komfortzone."(S. 8-11) .

Verantwortungsvoll mit Whatsapp & Co umgehen

Mit Hilfe einer Zeitleiste visualisiert die Autorin Anna Hasenkamp in ihrem Unterricht den langen Weg der technischen Kommunikation von den Anfängen bis heute. In ihrem Artikel "Mit sozialen Netzwerken verantwortungsvoll umgehen, Digital sein - sozial bleiben" listet sie Lehrplan konform und praxisnah den Aufbau ihrer Unterrichtsreihe und deren jeweilige Stundenziele auf. Sie steigt ein mit der Abfrage von Vorwissen und individuellem Umgang mit "Whatsapp, Facebook und YouTube", fordert die "Förderung perspektivübergreifender Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen" und berücksichtigt "Dokumentation und Leistungsbewertung", die letztlich Legitimation für diese Einheit sicherstellen. Zwei Checklisten, eine "Zur Erhebung des Ist-Zustandes", die andere ein "Selbsteinschätzungsbogen" sind Basis für die weitere Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Thema. (S. 12-16)

Schulinternes Filmprojekt mit dem iPad initiieren

Die im Lehrplan (NRW) geforderte Medienkompetenz kommt in dem  Artikel "Unsere Schule im Film" von Mona Sharifpour zum Tragen. Es ist ein Plädoyer für einen mehrere Fächer umfassenden Projekt-Unterricht. Im Beispiel ist das Unterrichtsvorhaben "Umgang mit der Video-Funktion des iPads" im Sachunterricht einer zweiten Klasse angesiedelt, kann jedoch auch in anderen Klassenstufen durchgeführt werden. Die Autorin macht Mut, sich mit themenbezogener Projektarbeit auseinanderzusetzen und beschreibt den Vorteil dieser Methode. Indem Kinder in die Planung und Durchführung eingebunden werden und sich gegenseitig bei der Durchführung unterstützen, sie auch bei der Fertigstellung und Präsentation beraten werden, wird nicht nur Sozial- und Medienkompetenz gefördert. Ein Merkmal von offenem Projektunterricht ist, dass Schülerinnen und Schüler ihren Fähig- und Fertigkeiten entsprechend, selbstbestimmt und zielgerichtet arbeiten können und bis zum Schluss meist hoch motiviert bleiben. Es wird  des Weiteren nicht nur die Rolle der Lehrperson, sondern auch detailliert die einzelnen Schritte wie "Projektinitiative", "Projektskizze", "Projektplan" und sehr ausführlich die "Projektdurchführung" beschrieben. Die Autorin weist darauf hin, dass auch andere Funktionen des iPads ebenfalls in anderen Fächern sinnvoll genutzt werden können. Das Video der Projektarbeit kann auf www.gs-haarzopf.de angesehen werden. (S. 17-21)

Einen Stummfilm zum Hören bringen

"Einen Stummfilm hören?" Mit diesem Titel ihres Beitrags macht die Autorin Verena Breitner neugierig auf einen etwas anderen Deutschunterricht. Sie analysiert den Medienkonsum in Form von Filmen und zielt in ihrem Praxisbeitrag auf "Wahrnehmungsschulung, die Förderung der Vorstellungskraft der Kinder sowie die Versprachlichung von Wahrnehmung und Vorstellung". Der animierte, nur mit Musik und Geräuschen unterlegte Stummfilm Macropolis, der zu den Paralympics 2012 in England gedreht wurde, handelt von zwei beschädigten, aussortierten Spielzeugpuppen, deren größter Wunsch es ist, wie die anderen Figuren in einem richtigen Spielzeugladen zu stehen. Über einzelne Hörsequenzen soll zunächst der Inhalt einzelner Szenen assoziiert werden, um anschließend acht Screenshots in eine nachvollziehbare Reihenfolge zu bringen. Erst dann wird den Kindern der komplette Film präsentiert, den es jetzt zu versprachlichen gilt. Technisch angemessenes Gerät und die Unterstützung seitens der Lehrkraft sind unumgänglich. (S. 22-26)

Medienorientiertes Lernen mit Youtube inszenieren

Um Kindern ab der dritten Klasse, einen kritischen Blick auf mediale Angebote zu ermöglichen, geht die Autorin Annemarie Niklas mit ihrem Artikel "Ich werde Youtuber!" einen etwas anderen Weg. Während im ersten und zweiten Schuljahr eher noch Fernsehsendungen für Kinder relevant sind, wenden sich ältere Kinder immer mehr den Angeboten, u.a. Youtube-Videos, im Internet zu. Dabei gibt es offensichtlich geschlechtsspezifische Vorlieben: Mädchen klicken z.B. Bibis Beauty Palace, Jungen bevorzugt freekickerz an. Anhand eines Arbeitsblattes zu Minecraft  wird die Sprache des Youtubers LOKU DER BOSS untersucht. Ziel ist es, diese spezielle Sprache zu untersuchen und deren Wirkung zu beschreiben. Ehe jedoch mit der Unterrichtsarbeit begonnen wird, empfiehlt die Autorin, sich erst einmal selbst mit dem Medium vertraut zu machen, um dann der Videorezeption von Kindern Raum für einen Erfahrungsaustausch zu geben. Es geht im nächsten Schritt um "bewusste Sprachwahrnehmung" und kritisches "Sprachhandeln" nach dem Prinzip think-pair-share in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Jenseits der von Kindern angeklickten Youtube-Videos bieten Lernvideos mit vielfältigen Inhalten eine Plattform für medien-orientiertes Lernen. (S. 27-32)

Lesen mit der Verfilmung eines Bilderbuchs fördern

Beispielhaft zu dem Bilderbuch "Wilma auf der Spur" von Elke Kochanek, Ein Bilderbuch wird zum Film, erläutert die Autorin Eva von der Höh die Vorgehensweise zur Herstellung eines Films mit Kindern eines zweiten Schuljahres. Der Lesekompetenz dieser Klassenstufe entsprechende Kopiervorlage beinhalten Aufgaben zu einer Umsetzung der animierten Version. Die Kinder erhalten eine Anleitung zur Erstellung einer Bildfolge und Aufnahme des zu sprechenden Textes mit Windows Movie-Maker. Während die Ergebnisse der jüngeren Kinder von einer Lehrkraft zusammengeschnitten werden, sind ältere Kinder in der Lage, mit einem entsprechenden Tutorial ihren Film selbst zu produzieren. Über diese Unterrichtseinheit hinaus informiert die Autorin über einige Programme und Apps, mit denen Comics, E-Books oder Präsentationen medial unterstützt werden können. (S. 33-37)

Nonsens-Poesie gestalterisch umsetzen

Ganz praxisnah fordert die "Kreative Lyrikwerkstatt zu Nonsensreimen" von Bettina Huhn, Kinder zum Spielen mit Sprache auf. Fächerverbindend bezieht sie künstlerisches Gestalten und Methoden der Theaterpädagogik in den literarischen Umgang mit Nonsensgedichten ein. Eine kurze Begründung der Einheit und ein Hinweis auf das (Hör-) Buch von Uwe-Michael Gutzschhahn (Hg.) Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her leiten zu den sieben Arbeitsblättern über. Jede Materialseite ist passend zu dem jeweiligen Gedicht bunt und kindgerecht illustriert, enthält verschiedene Aufgaben mit Fragen zum Text und vielfältige, der Kreativität geschuldeten Arbeitsanweisungen. Diese enthalten Gestaltungsaufgaben aus dem ästhetischen und sprachlichen Bereich. Der unterschiedlichen Lesekompetenz wird nicht nur durch die inhaltliche Auswahl, sondern auch durch die Länge der einzelnen Gedichte und die Wahl der Schriftgröße Rechnung getragen. (S. 44-50)

Konfliktsituationen analysieren - "Cool bleiben"

In dieser aktuellen Heftausgabe nehmen die Autoren Nina Benlian und Gregor Kibala zunächst Bezug auf den ersten Beitrag der Kurzserie "Fair play - Konflikte friedlich lösen". Auch hier werden Konfliktsituationen des Schulalltags aufgegriffen und Reflektion wird durch Rollenspiele ermöglicht. Diesmal stehen "Beleidigungen und handgreifliche Auseinandersetzungen" im Fokus. Die Kinder haben die Möglichkeit, über ähnliche Situationen zu berichten und ihre Empfindungen und Reaktionen in einem geschützten Raum mitzuteilen. Indem sie sie reflektieren, finden sie in Partnerarbeit angemessene Lösungsansätze. Bildkarten mit zwei Kindern dienen als "Identifikationsfiguren", Situationskarten mit zwei Beispielen sind Gesprächsanlass für mögliche Reaktionen. Ziel der Einheit ist es, herauszufinden, wie es gelingen kann, sich nicht provozieren zu lassen, sondern "cool zu reagieren". (S. 51- 55)

DaZ - Interferenzen aufzeigen und richtiges Schreiben üben

"Orthografische Fehler bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache" werden von der Autorin Marina Goldstein sprachwissenschaftlich erläutert und Fehlerquellen detailliert aufgezeigt. Sie geht phonologischen und in dem jeweiligen Schriftsystem vorhandenen Interferenzen, bezogen auf unterschiedliche Erstsprachen, nach. Sie weist darauf hin, dass in Sprachen wie z.B. im Arabischen und Hebräischen, die eine Schreibrichtung von rechts nach links aufweisen, zu „spiegelverkehrten Buchstabenschreibungen" führen können. Primär kommt es zunächst darauf an, den Klang der Zweitsprache, verbunden mit unterschiedlichen Hörübungen und mit deutlicher, mimischer Aussprache zu vermitteln, um dann erst eine Verschriftlichung einzuleiten. Fünf anspruchsvolle Materialblätter beinhalten Übungen zu orthografischen Fehlerquellen. So gibt es ein Blatt zu Konsonantenfolgen, kurzen und langen Vokalen, den Lauten Ü und Ö, sowie I/i und E/e. Ein Selbstdiktat rundet das Materialangebot ab. (S. 59-63)

Mit Tablets rechnen und Lösungen dokumentieren

Stefanie Maurer beleuchtet zunächst den Umgang mit Lernprogrammen am Computer und plädiert in ihrem Text Mit Tablets rechnen dafür, die "Multifunktionalität der Tablets" für Produktivität und Kreativität im Fach Mathematik zu nutzen. Dies beinhaltet, dass nicht nur anerkannte Zielsetzungen erreicht werden, sondern sich zwangsläufig neue Ziele ergeben können. Die von den Schülerinnen und Schülern erarbeiteten Resultate werden mit der Kamera zeitgleich erfasst, gespeichert und  sind somit gemeinsam überprüfbar. An dem Beispiel "Erbsenzähler"zeigt sie den "Übergang von der enaktiven zur ikonischen Ebene" auf. Für die Zahlenraumerweiterung im Millionenbereich und das Einmaleins, bietet sich die für die Lerngruppe aufbereitete App "Book Creator" an. Bei Rechengeschichten geht die Autorin unterschiedliche Wege: Kinder können die Bilder abfilmen und sprachlich unterlegen, oder ohne Worte nachspielen. Auch hier werden die Sequenzen gefilmt und im Anschluss mit Worten erklärt, die zusätzlich in einen "Wortspeicher" einfließen. Das Tablet bietet also die Möglichkeit, Rechenwege zu dokumentieren. Dieser handelnde Umgang mit Material ist Anlass, eigene Denkprozesse zu erklären und ggf. zu korrigieren. Am Ende des Beitrags werden Praxis orientierte Informationen zu QR-Codes und Lern-Apps gegeben. (S. 38-43)

Mit Lerntagebüchern mathematische Denkprozesse festhalten

Im zweiten Teil zu Lerntagebücher im Mathematikunterricht weist die Autorin Sandra Fabricius-Schmidt auf die unterschiedlichen Facetten der Verschriftlichung von individuell mathematischen Denkprozessen in Lerntagebüchern hin. Sie betont, dass jegliche "Eigenproduktion" wert geschätzt und ernst genommen werden muss. Es geht um Kritikfähigkeit und Reflektion der fest gehaltenen Lernprozesse, die in Partnerarbeit und in der ganzen Lerngruppe besprochen werden sollten. Verschiedene Methoden zum Erfassen und Behalten, Rechentricks und Transfermöglichkeiten fließen in das Lerntagebuch ein. So ist es ein Dokument der eigenen und gemeinsam erarbeiteten Lösungsprozesse. (S. 56-58)

 

Downloads

Von Renate Mann • 13.10.2018

Zum Newsletter anmelden

Meine Kita