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Phänomen: Wärmeaustausch Enten

Warum bekommen Enten keine kalten Füße?

Haben die Kita-Kinder auch schon einmal gefragt, ob Enten kalte Füße bekommen? Schließlich paddeln sie den lieben langen Tag mit ihren Füßen im Wasser herum. Auch im Winter! Lina hat sich diese Frage gestellt als sie in den Weihnachtsferien an der Ostsee war.

Dr. Silke Ottow

Lina hatte eine dicke Jacke und Handschuhe an, und sie hatte eine Mütze auf dem Kopf. Und dann gab es doch tatsächlich Leute, die sind ins Wasser gegangen! Eine Frau und ein Mann. Nur kurz. Also einmal rein, untertauchen und gleich wieder raus. Als die beiden sich abgetrocknet haben, kam Lina mit ihrer Familie bei ihnen vorbei. Alle haben gelacht. Die beiden haben erzählt, dass sie das jedes Jahr zu Weihnachten machen. Die Frau und der Mann hatten ganz rote Haut und sie haben sich sehr beeilt beim Abtrocknen und Anziehen.

Papa wusste, dass die Ostsee zu der Zeit sechs Grad kalt war. Und weil Lina ausprobieren wollte, wie kalt sich die Ostsee bei sechs Grad anfühlt, hat sie einen Finger ins Wasser gesteckt. „Ihh, ist das kalt! Da würde ich aber nicht schwimmen gehen“, hat sie gesagt und ihren Finger wieder in ihrem Handschuh versteckt.

Doch dann hat sie eine Ente, einen Schwan und mehrere Möwen entdeckt, die auf dem Wasser schwammen. „Warum wird denen nicht kalt?“, wollte sie von Papa wissen. „Die haben ihr Wintergefieder an“, hat Papa gesagt. „Ja, aber an den Füßen!“, rief Lina. „An den Füßen haben die gar nichts an!“
 

Warum frieren Enten nicht im kalten Wasser?

Die Körpertemperatur von Enten ist 40 Grad Celsius. Bei uns wäre das hohes Fieber, denn unsere Körpertemperatur ist 37 Grad Celsius. Das heißt, der Körper von Enten ist sehr warm. Ihre Füße dagegen sind immer kalt. Das ist für Enten sehr praktisch. Warum das praktisch ist?
 

Warum sind kalte Füße für Enten praktisch?

Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit den warmen Füßen auf einem kalten Boden. Was passiert dann? Richtig, Sie bekommen kalte Füße. Aber bei den kalten Füßen bleibt es nicht. Nach einer Weile bekommen Sie kalte Beine und sogar kalte Hände und eine kalte Nase. Dabei sinkt die Körpertemperatur langsam ab. Indem Sie frieren, signalisiert der Körper Ihnen, dass Sie entweder ins Warme gehen oder etwas Wärmeres anziehen müssen. Denn der kalte Boden zieht die Wärme aus den Füßen. Und dann, nach und nach, zieht er die Wärme aus dem ganzen Körper.

Enten kann das nicht passieren. Ihre Füße sind immer kalt. Im Winter können Entenfüße sogar Null Grad kalt werden! Kalten Entenfüßen kann kalter Boden oder kaltes Wasser nichts anhaben. Aber wie können Enten einen so warmen Körper und so kalte Füße haben?

Warmer Körper, kalte Füße Enten haben ein Wärmetausch-System in ihren Beinen. Das Wärmetausch-System funktioniert so: Die Adern, die vom Körper kommen und die, die aus den Beinen kommen, liegen in den Entenbeinen eng zusammen und sind miteinander verschlungen. Das Blut aus dem Körper ist warm und das aus den Beinen ist kalt. Wenn sich warmes Blut und kaltes Blut begegnen, kühlt das warme Blut ab und das kalte Blut wärmt sich auf. Das Prinzip ist so gut ausgeklügelt, dass das kalte Blut aus den Beinen richtig warm im Körper ankommt und das warme Blut aus dem Körper komplett abgekühlt ist. So bleiben die Entenfüße kalt und der Körper bleibt immer warm.
 


Das warme Blut aus dem Körper wärmt das kalte Blut aus den Beinen auf. Genauso ist es umgekehrt. Enten haben einen Wärmetauscher in ihren Beinen.

Nicht nur Enten, auch Schwäne, Möwen und Pinguine und Säugetiere wie Eisbären und Schlittenhunde haben so einen Wärmetauscher in ihren Beinen. Und wir Menschen nutzen dieses Prinzip in unseren Häusern. Zum Beispiel dann, wenn das Haus eine Wohnraumlüftung hat. Ein Wärmetauscher wärmt dann die kalte Luft, die von Draußen kommt, mit der warmen Luft, die nach außen gepustet wird, an. So wird die frische Luft von Draußen immer vorgewärmt.

Doch es hat noch einen weiteren Vorteil, dass Wasservögel kalte Füße haben. Wieso, wird in diesem Beitrag erklärt. 

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Dr. Silke Ottow

Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de

Von Dr. Silke Ottow • 17.12.2018

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