© PathDoc / shutterstock
Eine Konzeption erstellen und weiterentwickeln

Die Visitenkarte der Kindertagespflegestelle

Die pädagogische Konzeption konkretisiert die Arbeit in einer Kindertagespflegestelle. Sie beschreibt die pädagogische Qualität auf der Grundlage gelebter Praxis. Doch eine Frage, die sich Kindertagespflegepersonen stellen, ist häufig die: Wie schaffe ich es, meine Arbeit anschaulich darzustellen? Astrid Sult gibt in ZeT 1/2019 Tipps und Hinweise zur Erstellung einer pädagogischen Konzeption. Wir übernehmen ihren Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Astrid Sult

In der Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen und in vielen Fortbildungen zum Thema spielt das Thema „Eine Konzeption schreiben“ eine große Rolle. Spätestens wenn man mit der Tätigkeit beginnt, besser bereits schon vorher, soll sie vorliegen, damit Eltern und das Jugendamt wissen, was in der Kindertagespflegestelle vor sich geht und wie der Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag umgesetzt wird.

 

Konzipieren heißt laut Duden: eine Grundvorstellung von etwas gewinnen, verfassen, entwerfen.Lateinisch Conceptus bedeutet das Zusammenfassen auch Gedanke, Vorsatz.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Konzept und einer Konzeption?

 

In der Literatur wird zwischen einem Konzept und einer Konzeption unterschieden. Unter Konzept kann ein erster Entwurf verstanden werden, eine erste Fassung,etwas Vorläufiges, ein Skript, in dem Gedanken für eine Konzeption festgehalten werden. Sicherlich ist es hilfreich, erst einmal hiermit anzufangen, um so etwas wie einen Leitfaden zu haben, den man nach und nach ausbauen kann.

Bei einer Konzeption handelt es sich um die Festschreibung aller relevanten Aspekte der Arbeit. Eine Konzeption ist umfangreicher als ein Konzept. Hierin geht es um die Motivation für die Tätigkeit und deren reflektierte Darstellung. Die Konzeption zeichnet sich dadurch aus, dass sie am täglichen Tun und den aktuellen Gegebenheiten orientiert ist und dass sich in ihr das theoretische und praktische Fachwissen der Kindertagespflegeperson widerspiegelt.

In einer Konzeption sollte zu erkennen sein, wie die Prozesse, Aktivitäten und das Handeln in der Kindertagespflegstelle gestaltet sind. Ebenfalls sollte sie deutlich machen, welche Ziele in der Tätigkeit verfolgt und wie diese umgesetzt werden.

Eine Konzeption ist verbindlicher, fachlicher und fundierter als ein Konzept. Sie ist die Visitenkarte der Kindertagespflegestelle. Sie ist für die Innen- und Außendarstellung relevant und kann sich an verschiedene Adressaten richten – Eltern, Jugendamt oder andere Partner in der Zusammenarbeit.

Das Schreiben einer Konzeption, die Entwicklung und Fortschreibung ist ein dynamischer Prozess.

 

Wem nützt die Konzeption und wobei ist sie hilfreich?

 

  • Es wird deutlich, mit welchem persönlichen Profil in der Kindertagespflege gearbeitet wird.

  • Es wird deutlich, welche pädagogischen Ziele, Werte und auch Schwerpunkte in der Tätigkeit eine Rolle spielen.

  • Es wird deutlich, welches Bild vom Kind das pädagogische Handeln leitet.

  • Es lässt sich erkennen, welche Regelungen und Aufgaben, aber auch Grenzen sich aus der Tätigkeit und dem Erziehung- und Bildungsauftrag ergeben.

 

 

Leitfaden zur Erstellung einer pädagogischen Konzeption

 

  1. Deckblatt
    Name, Adresse, Telefon, E-Mail-Adresse, gegebenenfalls Homepage,
    Datum der Erstellung des Konzepts, eventuell Foto

  2. Inhaltsverzeichnis
    mit Seitennummerierung

  3. Vorwort
    An wen wendet sich das Konzept, was soll es vermitteln?

  4. Vorstellung der Kindertagespflegestelle
    Seit wann gibt es die Kindertagespflegestelle, Größe der Kindertagespflegestelle, Öffnungszeiten, Beschreibung der Lage und Räumlichkeiten, Spezifisches, weitere Rahmenbedingungen, falls vorhanden weitere Betreuungspersonen, Vertretungsregelungen bei Urlaub und Krankheit

  5. Vorstellung der Kindertagespflegeperson
    Kurzer Lebenslauf – Motivation für die Tätigkeit, Familienangehörige (evtl. eigene Kinder, Tiere), persönliche Stärken in der Arbeit mit Kindern

  6. Ziele für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Begründung
    Bild vom Kind/Bildungsverständnis, Werte und Normen im Umgang mit Kindern, Entwicklungsbedingungen und -möglichkeiten des einzelnen Kindes in der Kindertagespflegestelle, Rechte des einzelnen Kindes, Individualität und eigene Interessen in Bezug auf Erwachsene und die Kindergruppe, soziale Kontakte zwischen den Kindern und zwischen Kindern und Erwachsenen, Bedeutung der Gruppe für das einzelne Kind, Konfliktlösungen, Regeln, Freiräume, Erziehungsvorstellungen, Unterstützung der Sauberkeitsentwicklung

  7. Umsetzung des jeweiligen Bildungsprogramms
    Erfahrungsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb der Kindertagespflegestelle zu den einzelnen Bildungsbereichen, Bedeutung des Spiels, Förderung der sprachlichen Entwicklung, Formen pädagogischer Arbeit (Freispiel, Projekte, Angebote, Außenaktivitäten)

  8. Beobachten und Dokumentieren
    Sinn und Zweck von Beobachtung und Dokumentation, Formen der Dokumentation (z.B. Arbeit mit Portfolio, Bildungs- und Lerngeschichten, Entwicklungstabellen)

  9. Organisation der pädagogischen Angebote
    evtl. Beispiel für einen Tagesablauf

  10. Gestaltung von Übergängen
    Bedeutung von Eingewöhnung und Abschied, Verlauf und unterstützende Rituale, Rolle der Kindertagespflegeperson in diesem Prozess

  11. Zusammenarbeit mit Eltern/Erziehungspartnerschaft
    Formen und Gestaltung der Zusammenarbeit mit Eltern, Erwartungen und Angebote

  12. Kooperation/Qualitätssicherung
    Andere Tagespflegepersonen und Institutionen in der Region, Arbeitskreise/Vereine, Behörden, Besuch von Fortbildungen

Anhang:

  • Einverständniserklärung der Eltern für die Veröffentlichung von Fotos(Bitte keine Fotos machen und verwenden von Kindern, die nackt sind, schlafen oder beim Toilettengang)
    - Ggf. Referenzen von Eltern

 

Tipps und Hinweise zur Erstellung einer pädagogischen Konzeption:

 

  • Form: Gut geeignet ist eine Loseblattsammlung, die man zusammenheftet, dann können einzelne Teile immer wieder ergänzt, erweitert oder verändert werden.

  • Am besten beim Schreiben mit Stichpunkten anfangen, die sich allmählich füllen.

  • Eine Konzeption entsteht nicht über Nacht. Sie muss wachsen und braucht Zeit!

  • Gute Bekannte oder Partner/-in gegenlesen lassen.

  • Nicht immer ist es hilfreich, sich andere Konzeptionen anzuschauen. Es geht ja hier um das persönliche Profil und die eigenen Gedanken, die findet man am besten für sich. Bei Schreibblockaden hilft es, jemandem seine Ideen zu schildern, der sich dabei Notizen macht.

  • Eine Konzeption muss nicht hochtrabend wissenschaftlich formuliert werden. Damit sie authentisch die eigene Persönlichkeit widerspiegelt, ist es wichtig, sich in den Formulierungen nicht zu verbiegen.

  • Mindestens einmal jährlich die eigene Konzeption auf Aktualität und Praxisrelevanz überprüfen und ggf. nacharbeiten.

 

Quelle: ZeT - Zeitschrift für Tagesmütter und -väter 1/2019, S. 6-7

Astrid Sult

ist wiss. Referentin beim Bundesverband für Kindertagespflege e.V.

a.sult@bvktp.de

 

Von Astrid Sult • 20.02.2019

Zum Newsletter anmelden

Meine Kita