Dunkelhaarige Fau mit einem blonden Kind am Tisch
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Kindertagespflege

Heute geschlossen: Vertretungsmodelle in der Kindertagespflege

In Bremen hat „PiB – Pflegekinder in Bremen gGmbH“ verschiedene Vertretungsmodelle entwickelt. Die Autorin, Koordinatorin der Vertretungsmodelle in der Kindertagespflege bei PiB, stellt hier die häufig umgesetzten Modelle mit Vor- und Nachteilen vor und berichtet von den Erfahrungen mit den unterschiedlichen Konzepten.

Ein Problem – viele Lösungen

Die gängigen Vertretungsmodelle in Bremen

Verlässliche Betreuung ist in der Kindertagespflege ein Qualitätskriterium, das Eltern wichtig ist. Sie möchten die Sicherheit, dass ihr Kind zuverlässig betreut wird. Und selbstverständlich wollen sie und ihr Kind die Person kennen, die im Vertretungsfall da ist.   

Diese Erwartungen teilen auch Kindertagespflegepersonen. Wer Eltern im Krankheitsfall eine sichere Vertretung anbieten kann, hat zudem selbst weniger Druck. Außerdem bringen Vertretungslösungen mehr Kooperation, mehr Austausch und Reflexion – und die wiederum sorgen für Qualität und Weiterentwicklung. Denn Vertretung funktioniert vor allem dann gut, wenn man die Arbeitsweise der Kolleginnen und Kollegen kennt und schätzt.

Seit 2015 arbeiten die rund 250 stadtbremischen Kindertagespflegepersonen verstärkt an Vertretungslösungen – mit Unterstützung des Fachdienstes Kindertagespflege bei PiB – Pflegekinder in Bremen, der Bremer Bildungsbehörde und der Förderung durch das Bundesprogramm Kindertagespflege „Weil die Kleinsten große Nähe brauchen“ des Bundesfamilienministeriums.

Seither hat sich viel getan. Individuelle Lösungen, wie die selbstständig tätigen Kindertagespflegepersonen sie traditionell anbieten, sind auf dem Rückzug. Sie werden zunehmend durch verbindliche Vertretungsangebote abgelöst, die jeweils für ein Kitajahr gelten, fachlich mit PiB abgestimmt sind und im Betreuungsvertrag mit den Eltern festgehalten werden. Doch vorerst werden der Ausbau und die Verstetigung verschiedener Vertretungsmodelle eine wichtige Aufgabe bleiben – und weil Vertretungsmodelle so individuell wie Tagespflegestellen sind, berät der Fachdienst PiB Kindertagespflegepersonen dazu frühzeitig.  

Das Stützpunktmodell

Für das Stützpunktmodell hat PiB als zuständiger Träger das pädagogische Konzept entwickelt und Räume in vier Stadtteilen gemietet. Dort sichert je eine angestellte Kindertagespflegeperson die Vertretung für bis zu zehn Kindertagespflegepersonen mit insgesamt bis zu 50 Kindern ab. Im Vertretungsfall können dort fünf Kinder gleichzeitig betreut werden. Bislang kooperieren insgesamt 34 Tagespflegepersonen mit vier Stützpunkten in den Stadtteilen Walle, Schwachhausen, Obervieland und Sebaldsbrück.

Die Vertretung kann beginnen, sobald die Kinder mit der Kindertagespflegeperson des Stützpunktes und den Räumen dort vertraut sind. Deshalb kommen die Kinder mit ihrer festen Betreuungsperson einmal pro Woche zu Besuch. Erkrankt eine der beteiligten Kindertagespflegepersonen, meldet sie sich bei der Vertretungskraft – und die Eltern erfragen noch am Vormittag einen Platz für ihr Kind. 

Vorteile

- Kinder gewinnen beim Ortswechsel neue Eindrücke und Erfahrungen.

- Kindertagespflegepersonen nutzen die Gelegenheit zum pädagogischen Austausch.

Zu bedenken

- Wenn mehrere Kindertagespflegepersonen gleichzeitig erkranken, gibt es Engpässe.

- Auch bei schlechtem Wetter muss der Weg zum Stützpunkt mit den Kindern bewältigt werden.

Das Modell Mobile Vertretung

Mobile Vertretungspersonen sind selbstständig tätig und für die Tätigkeit qualifiziert. Die Stadt Bremen finanziert der Vertretungskraft ein festes Stundenkontingent, das den regelmäßigen Umgang mit den Kindern in deren Tagespflegestelle sichert, mit deren Tagesablauf und Ritualen die Vertretungsperson vertraut ist.

Die Vertretung kann beginnen, sobald eine Bindung zu den Kindern besteht. Verträge regeln die Kooperation, wobei eine Mobile Vertretungsperson höchstens für vier Kindertagespflegepersonen zuständig ist. In Bremen kooperieren rund 60 Kindertagespflegepersonen mit 34 Mobilen Vertretungskräften.

Vorteile

  • Die Betreuung findet in der den Kindern vertrauten Tagespflegestelle statt.
  • Die Zeit, um Eltern und Kinder kennenzulernen, wird der Vertretungsperson vergütet.

Zu bedenken

  • Findet die Vertretung in privaten Wohnräumen der Kindertagespflegeperson statt, sollten die Betreuungsräume getrennt vom Wohnbereich nutzbar sein.  
  • Das Modell erfordert eine Zusammenarbeit für die gesamte Dauer des Kitajahres.

Das 4+1 Modell

Im 4+1 Modell schließen sich fünf Kindertagespflegepersonen meist regional zusammen. Jede von ihnen bietet vier feste Betreuungsplätze und hält einen fünften Platz für ein Tageskind frei, für den Fall, dass dessen Kindertagespflegeperson vertreten werden muss. Diesen Platz vergütet die Stadt rechnerisch als halben Betreuungsplatz, auch trägt sie die Miete für einen regionalen Begegnungsraum, den Kindertagespflegepersonen und Kinder einmal pro Woche gemeinsam nutzen.

Die Vertretung kann beginnen, sobald Eltern, Kinder und Kindertagespflegeperson ausreichend vertraut miteinander sind. Zurzeit gibt es drei regionale Vertretungsgruppen 4+1, an denen 15 Kindertagespflegepersonen beteiligt sind.  

Vorteile

- Den Kindern ist die Gruppe, die sie im Vertretungsfall besuchen, aus vielen Kontakten vertraut.

- Die fachliche Vernetzung der beteiligten Kindertagespflegepersonen ist in der Regel hoch.

Zu bedenken

- Ähnliche pädagogische Konzepte fördern das Funktionieren des Modells.

- Eltern erwarten im Vertretungsfall die gewohnte Betreuungszeit.

Das Tandemmodell

Im Tandemmodell vertreten sich zwei Kindertagespflegepersonen gegenseitig. Sie betreuen zusammen nicht mehr als fünf Kinder. Vor einem Vertretungsfall lernen Eltern die Vertretungsperson und deren Räumlichkeiten kennen und die Tandempartnerinnen/-partner machen die Tageskinder miteinander in den unterschiedlichen Räumen bekannt. Das Tandemmodell wird angesichts weiterer Vertretungsoptionen zunehmend selten genutzt.

Vorteil

  • Die Kinder sind im Vertretungsfall immer mit derselben Kindergruppe zusammen.

Zu bedenken

  • Die Aufnahmekapazität der beiden beteiligten Tagespflegestellen liegt bei zusammen fünf Betreuungsplätzen, das begrenzt den Verdienst.
  • Eltern erwarten im Vertretungsfall die gewohnte Betreuungszeit.
  • Ähnliche pädagogische Konzepte fördern das Funktionieren des Modells.

Die stunden-/tageweise Vertretung

Bei dieser Vertretungsform wird jeder Vertretungsfall individuell organisiert. Die Vertretungspersonen sind für die Vertretungstätigkeit qualifiziert und stellen vorab gemeinsam mit der Kindertagespflegeperson sicher, dass die Kinder sie gut kennen. Oft wird diese Form der Vertretung von Personen aus dem sozialen Netz der Kindertagespflegeperson übernommen und stunden- bzw. tageweise honoriert. Diese hergebrachte Form der Vertretung stößt umständehalber oft an Grenzen, war aber bislang die häufigste Notfalllösung etwa für den Krankheitsfall. Sie wird zugunsten anderer Vertretungsmodelle (weiter) zurückgehen.    

Vorteile

  • Die Kindergruppe bleibt im Vertretungsfall bestehen.
  • Wenn Familienangehörige die Vertretung tragen, ist die Flexibilität im Vertretungsfall meist hoch.

Zu bedenken

  • Kontakte zu den Kindern müssen vor der Vertretung transparent und verbindlich gestaltet werden.

 

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Quelle: Julia Ehlers: Ein Problem - Viele Lösungen, ZeT 1/2020: S. 6-7

Julia Ehlers

Koordinatorin Vertretungsmodelle in der Kindertagespflege bei PiB-Pflegekinder in Bremen gemeinnützige GmbH

Von Frühe Bildung Online • 15.03.2020

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