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Virtuelle Lernwelten

Abenteuer mit virtuellen Lernwelten

Analoge Medien reichen in Zukunft nicht mehr aus. Wie diese mit virtuellen Medien angereichert werden können, zeigt das Projekt „Natur-Wissen schaffen“.

Julia Knopf und Jannick Eckle

Forschungs- und Erkundungsdrang zeigen Kinder in allen Bereichen – ob in der Mathematik, Technik, Naturwissenschaft oder Medienbildung. Täglich experimentieren sie mit Phänomenen der belebten und unbelebten Natur und setzen sich forschend mit ihnen auseinander. Diese kindliche Experimentierfreude greifen die Bände „Natur-Wissen schaffen“ des Erziehungswissenschaftlers Wassilios E. Fthenakis auf.

 

Sie setzen bei den Fragen der Kinder an und unterstützen Fachkräfte bei der Gestaltung einer experimentierfreundlichen Lernumgebung. Die Bände decken folgende Bereiche ab: praxisorientierte Anregungen und Tipps zur frühpädagogischen Förderung der Bereiche Mathematik und Naturwissenschaften, frühe mathematische, technische und naturwissenschaftliche Bildung sowie die frühe Medienbildung.

 

Digitale Erweiterung der Bände

Die Bände machen deutlich: Die Interessen der Kinder sind nahezu grenzenlos. Sie setzen sich über Raum und Zeit hinweg und reichen – im wahrsten Sinne des Wortes – bis in den Weltraum. Die Möglichkeiten zur Teilhabe und zum aktiven Lernen insbesondere in diesen Themenbereichen sind begrenzt. Daher werden die Bände „Natur-Wissen schaffen“ erweitert:

Virtual Reality
Lern-Abenteuer im Weltraum erleben? Virtual Reality (zu deutsch: Virtuelle Realität, kurz: VR) heißt die Technologie, mit der dies ohne Probleme möglich ist. Mit VR begeben sich die Kinder auf eine spannende Weltraum-Safari und erforschen so „vor Ort“ die wichtigsten Himmelskörper und deren Eigenschaften. Sie machen dabei Beobachtungen zum Sonnenstand, zu den einzelnen Mondphasen oder auch zu den verschiedenen Sternbildern. Gemeinsam mit der Fachkraft werden diese Beobachtungen dann gesammelt und besprochen.

 

Augmented Reality

Augmented Reality, kurz AR, bedeutet übersetzt „Erweiterte Realität“. Die Kinder scannen mit einem digitalen Endgerät, beispielsweise mit einem Tablet, einen Bildausschnitt oder einen Gegenstand in ihrer Lernumgebung.

 

Durch das Scannen wird die Umgebung um digitale Elemente erweitert. Texte, Grafiken, Animationen, Videos und sogar kleinere Lernspiele sind Beispiele für solche Erweiterungen, die auf dem Bildschirm des Endgeräts erscheinen können. Der Vorteil: Die Kinder erkunden ihre Umgebung selbstständig. Im Vordergrund steht das lernende Kind. Es interagiert mit seiner Umgebung und lernt im Spiel zum Beispiel Eigenschaften von Dreiecken kennen.

 

Spracheingabe und Spracherkennung

Kinder lieben es, Dinge zu zählen: ob den eigenen Punktestand beim Spiel oder die wartenden Autos im Stau. Wissenswertes über die Reihenfolge und Aussprache von Zahlwörtern können die Kinder nun durch die digitale Erweiterung von einem Roboter erfahren. Der Roboter spricht die Zahlen vor, die Kinder sprechen sie nach.

 

Dank der Spracherkennung merkt der Roboter nicht nur, ob die Zahlen korrekt ausgesprochen wurden. Er gibt auch eine Rückmeldung, ob die Reihenfolge der Zahlwortreihe eingehalten wurde. Damit fördert die digitale Erweiterung der Bände das eigenständige Zählen der Kinder.

 

Interaktive Zeitraffer-Animationen
Wie lange braucht es, bis ein Eis in der Sonne vollständig geschmolzen ist? Vorgänge wie diese laden zwar zum Experimentieren ein, benötigen aber viel Zeit. Eine interaktive Zeitraffer-Animation leistet Abhilfe und ermöglicht es, den Kreislauf der Aggregatzustände in nur wenigen Sekunden zu erleben. Die Kinder wählen auf dem Display den gegenwärtigen und gewünschten Aggregatzustand aus.

 

Lern-Chats mit Sprachnachrichten-Funktion

Über das Lernen zu sprechen, war noch nie so motivierend und einfach wie mit einem virtuellen Lern-Chat. Virtuell bedeutet: Der Chat-Partner ist keine reale Person, sondern ein Roboter. Die Antworten, die der Chat-Partner gibt, sind also vorprogrammiert. Das Kind jedoch denkt, es tausche sich mit einer realen Person aus. Über die Sprachausgabefunktion im Browser können sich die Kinder die Nachrichten vorlesen lassen. So können auch Kinder über Gelerntes „chatten“, die noch nicht lesen und schreiben können.

Ich entdecke, also lerne ich!

Eine digitale Erweiterung von bislang analogen Medien wie bei „Natur Wissen schaffen“ ist aus verschiedenen Gründen didaktisch sinnvoll:

 

  • Förderung des eigenständigen Lernens („Empowerment“): Mithilfe innovativer Technologien bestimmen die Kinder selbst, wann, wo und wie sie lernen möchten. Kinder sind nicht auf die Hilfe eines Erwachsenen angewiesen, sondern starten die App immer dann, wenn sie damit arbeiten möchten.
     
  • Förderung des ganzheitlichen Lernens („Holistic Development“): Die digitale Erweiterung bietet vielfältige Zugänge zu den einzelnen Lerninhalten: visuelle, auditive und kommunikative Zugänge.
     
  • Förderung des explorierenden Lernens („Exploration“): Die digitale Erweiterung ermöglicht ein forschendes und explorierendes Lernen.
     
  • Förderung des aktiven Lernens („Contribution“): Alle Aufgabenformate sind so aufbereitet, dass sie über eine theoretische Wissensvermittlung hinausgehen und stattdessen das aktiv entdeckende Lernen fördern – ganz im Sinne von: „Ich entdecke, also lerne ich!“

 

Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 2/2020, S. 10-11, www.fruehe-bildung.online

Prof. Dr. Julia Knopf

Prof. Dr. Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und das Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes. Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen für digitale Medien KLEE (Kreativ lernen – Erfolg erleben) und der Didactic Innovations GmbH.

Jannick Eckle

Jannick Eckle ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe der Universität des Saarlandes und Junior Consultant für digitale Bildung bei Didactic Innovations.

Von Julia Knopf und Jannick Eckle • 11.06.2020

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