Die Konzeption der Kita

Konzeption versus Bauchgefühl

Eine Grundvoraussetzung zur Erlangung der Betriebserlaubnis einer Kindertageseinrichtung ist die Erstellung und Veröffentlichung einer Konzeption. In diesem Papier werden die grundlegenden Annahmen der pädagogischen Praxis festgeschrieben. Der Kita-Leiter Florian Esser geht der Frage nach, ob damit lediglich einer gesetzlichen Pflicht Genüge getan wird.

Florian Esser

Deutschlandweit sollte eigentlich in allen Kitas eine einrichtungsbezogene Konzeption vorhanden sein. Eine Konzeption, an der sich alle Fachkräfte und weiteren Mitarbeiter der Einrichtung orientieren können. Eine Konzeption, die die pädagogische Ausrichtung sowie angestrebten Qualitätsziele durchblicken lässt und Orientierung gibt.

Genau! Eigentlich! In wie vielen Kitas hingegen verstaubt die hochgelobte Konzeption im Regal  oder hält digitalen Tiefschlaf irgendwo in einem verwaisten Ordner im letzten Winkel des Kita-Rechners. Anderorts ist sie mitunter gänzlich verschwunden, oder wurde zu gewissenhaft abgeheftet. Nun mag es vereinzelt Fachkräfte geben, die in ihrem pädagogischen Eifer die trägerinterne Konzeption nahezu inhalieren und mit Leib und Seele verkörpern. Wohingegen andere auf keinerlei schriftlichen Kompass zurückgreifen können. Die Wahrheit liegt sicher in der Mitte beider Extreme. Trotzdem bleibt die Frage: leisten Kitas mit einer vorhandenen Konzeption, automatisch qualitativ hochwertigere Bildungs- und Betreuungsarbeit, gegenüber jenen die konzeptionell im Dunklen tappen? Dieser Annahme folgend wäre das Vorhandensein einer Konzeption eng an die Ausprägung der pädagogischen Qualität einer Kita gekoppelt. Demzufolge würden die Fachkräfte einer konzeptionslosen Kita ihre pädagogische Arbeit auf minderem Niveau verrichten. Schluss mit hypothetischer schwarz-weiß Malerei!

Sicher ist eine Konzeption in jeder Kita notwendig und ganz nebenbei gesetzlich vorgeschrieben. Doch es bedarf neben einer regelmäßigen Evaluierung der festgeschriebenen Kriterien, einer aktiven Auseinandersetzung mit den konzeptionellen Inhalten sowie einem zeitgemäßen Realitätscheck. An diesem Prozess sollte das gesamte Team mitwirken, um die erarbeiteten Inhalte mittragen und nicht zuletzt vor den Eltern vertreten zu können.

Gewinnt eine Kita erst durch ihre Konzeption an Profil, oder gießt sie nicht vielmehr ihr Profil, die Werte und Haltung für die sie steht, in eine Form, die dann - mit einem griffigen Slogan versehen -  die Konzeption der Kita darstellt? Zu glauben, eine Kita ohne Konzeption handle völlig kopflos, ist genauso Unsinn, wie die These konzeptgestützte Kitas handelten stets planvoll und durchdacht. Der Umstand, Angestellter einer Seifenfabrik zu sein, bedeutet noch lange nicht, auch saubere Hände zu haben. Die angeführte Metapher fordert nicht die Abkehr vom konzeptionellen Arbeiten. Sie verdeutlicht ganz einfach, dass zu einer Konzeption weitaus mehr gehört als deren bloße Existenz.

Eine Konzeption muss die Individualität sowohl bei Klein und Groß berücksichtigen. Prozesse und Handlungsweisen skizzieren, Qualitätsstandards definieren und das Leitmotiv der Einrichtung deutlich machen. Planvolles Handeln vorgeben, ohne jedoch deren Akteure dogmatisch an ein "Schema F" zu geiseln. Eine Konzeption darf ihre Nutzer nicht reglementieren, sondern muss sie in angemessenem Rahmen befähigen und die Erforderlichkeit situativen Handelns in den Blick nehmen. Dort, wo mit Menschen gearbeitet wird, wiegen Intuition und Bauchgefühl oft mehr als das geschriebene Wort. Demnach sollte sich die "konzeptionsdemente Kita"  zwar weiterhin ihre Intuition erhalten, aber sich gleichzeitig mit dem Gedanken anfreunden, eine Konzeption auf den Weg zu bringen. Oder ihr zumindest den Staub vom Mantel klopfen und zu neuer Blüte verhelfen.

Kitas brauchen eine valide, mit Leben gefüllte, an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtete und mit dem Profil der eigenen Kita fest verwobene Konzeption. Statt Schönfärbung und ausufernden Abhandlungen über pädagogische Ansätze, sollte sie die gegenwärtige Lebensrealität der Kinder im Bezug auf deren altersentsprechende Fähig- und Fertigkeiten, im Sinne eines holistischen Bildungs- und Erziehungsauftrages, aufgreifen. Schlussendlich sollte beides zusammenwirken - Bauchgefühl wie Konzeption - um in einer Symbiose aus Herz und Kopf, die bestmöglichen Voraussetzungen sowie höchste Qualität in der frühen Bildung sicherzustellen und nachhaltig zu verankern. 

 

Gewinnt eine Kita erst durch ihre Konzeption an Profil, oder gießt sie nicht vielmehr ihr Profil, die Werte und Haltung für die sie steht, in eine Form, die dann - mit einem griffigen Slogan versehen - die Konzeption der Kita darstellt?

Florian Esser
Von Florian Esser • 17.04.2019

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