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Öffentlichkeitsarbeit

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita-Pädagogik

Kita-Gesetze, neue Ausbildungsmöglichkeiten zur Kita-Fachkraft, Kita-Architektur... Kindertageseinrichtungen stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Doch wie steht es um die Öffentlichkeitsarbeit der Kitas selbst? Weshalb Öffentlichkeitsarbeit für die Kita-Pädagogik wichtig ist und wie sie umgesetzt werden kann, lest ihr als Thema der Woche.

Prof. Dr. Armin Krenz

Über viele Jahrzehnte führte die Kindertagesstättenpädagogik ein eher unspektakuläres Dasein –  es wurde viel gebastelt, die Jahreszeiten bestimmten den pädagogischen Arbeitsverlauf und der Schwerpunkt der Gesamtarbeit war auf die Betreuung der Kinder ausgerichtet. Bis neue pädagogische Arbeitsansätze ab den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, eine Qualitätsdiskussion ab den 90er-Jahren, eine Bildungsdiskussion mit Beginn des neuen Jahrhunderts und vor allem eine Fokussierung auf die Neurobiologie und die Bindungsforschung ab Mitte des ersten Jahrzehnts dieser Zeit für neue Zielrichtungen und neu formulierte Aufgaben sorgten.

Doch bis heute hat sich in der breiten Öffentlichkeit immer noch nicht deutlich genug herumgesprochen, dass Kindertageseinrichtungen eigenständige Fachinstitutionen und die dort tätigen Mitarbeiterinnen Fachkräfte sind weder liebevolle „Kinderbeschäftigungskräfte" noch als Hilfskraft eingesetzte „Vorschullehrerinnen". Das kann viele unterschiedliche Hintergründe haben. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ErzieherInnen bisher zu weing für eine breit angelegte und offensiv gestaltete Öffentlichkeitsarbeit beigetragen haben. Umso bedeutsamer ist es daher, dass Kindertageseinrichtungen ihr eigenständiges, unverwechselbares Profil, ihren überaus bedeutsamen Beitrag für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung, ihre nicht zu ersetzende Wertigkeit im Hinblick auf die Persönlichkeits- und nachhaltige Bildungsentwicklung der Kinder sowie ihren Anspruch auf Wertschätzung zum Ausdruck bringen: klar formuliert, deutlich, unmissverständlich, kontinuierlich und aussagestark.

 

Öffentlichkeitsarbeit bezweckt bestimmte Zielsetzungen

Jede Art von Institution – egal, um welche Einrichtung es sich handelt und mit welchem Schwerpunkt diese Einrichtung verbunden ist – hat sich im Laufe ihrer Existenz – beabsichtigt oder unbeabsichtigt sei einmal dahingestellt – ein ganz bestimmtes "Image" erworben. Dabei kann es passieren, dass Personen, deren Meinung über diese betreffende Institution gefragt ist, im ersten Augenblick ihrer Einschätzung die Nase rümpfen, voller Hochachtung gute oder sogar beste Bewertungen abgeben oder achselzuckend ihre Schultern heben und überrascht sind, dass diese Institution überhaupt einen bestimmten Schwerpunkt verfolgt.

Öffentlichkeitsarbeit ergibt sich immer aus einer bipolaren Zielorientierung:
 

  1. Herstellung einer Transparenz der Aufgaben und Ansprüche,
  2. Steigerung des Ansehens der Einrichtung in der Öffentlichkeit und
  3. Aufbau, Ausbau und Pflege eines Vertrauensverhältnisses zur Öffentlichkeit

Wenn eine qualitätsgeprägte und professionell gestaltete Öffentlichkeitsarbeit wirklich erfolgreich sein möchte, dann muss der Blick aller Mitarbeiterinnen stets in zwei Richtungen verlaufen:

  • nach innen – in das Zentrum der Einrichtung selbst, die unterschiedlichen und vielfältigen Aufgaben, die bisherigen Stärken und Schwächen sowie ihre unverwechselbaren Besonderheiten und
  • nach außen – ausgerichtet auf die vielen Ansprechpartner, die Ziele und die ständig neuen Aufgaben, die sich durch die Weiterentwicklung einer ständig neuartigen Realität ergeben.

Ziele leiten sich dabei aus einer sorgsamen Analyse bisheriger Erfahrungen, eigenen und fremden Erwartungen, besonderen Bedürfnissen und aktuellen Notwendigkeiten ab, die eine entsprechende Weiterentwicklung bestimmter Arbeitsbereiche erforderlich macht.

Damit die für eine qualitätsorientierte Öffentlichkeitsarbeit notwendigen Merkmale immer stärker zu einer neuen Praxis werden können, sollen elementarpädagogische Fachkräfte ihre bisherige Öffentlichkeitsarbeit einmal sorgsam betrachten. Diese Merkmale

  • helfen dabei, diffuse Visionen für eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit in konstruktive, praktisch gestaltete Bahnen zu lenken,
  • differenzieren die einzelnen, unterschiedlichen Aufgabenfelder, um Arbeitsanfängen und Weiterführungen eine (neue) Struktur zu geben und
  • unterstützen Mitarbeiter schließlich dabei, notwendige Planungsvorhaben in konstruktive und vor allem nachhaltige Arbeitsschritte zu wandeln.

Vor jeder Neugestaltung bzw. Weiterführung der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit steht eine Ist-Analyse, um Stärken zu entdecken und Schwächen zu orten. Folgende Checkliste zur Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der Öffentlichkeitsarbeit kann dabei hilfreich sein: Sie betrachten jeweils die

  • IST-Situation: Beispiele, die die „Stärken" herausstellen, und die
  • IST-Situation: Situationsbeschreibungen, die die „Schwächen" offenlegen

anhand folgender Zielgruppen:

  • Eltern
  • Lehrern der Grundschule
  • Kinderärzte
  • Logopäden
  • Ergotherapeuten
  • Motopäden
  • Beratungsstellen
  • Nachbarschaft
  • Sponsoren
  • örtliche Presse
  • andere Kitas
  • usw.

Wenn auf der einen Seite von Mitarbeiterinnen des Öfteren der Umstand beklagt wird, dass der Kindergarten in der Öffentlichkeit entweder noch immer als „Aufbewahrungsstätte/Beschäftigungsort für Kinder" angesehen oder mit einer „frühpädagogischen Kaderschule für besonders effektives Lernen" verwechselt wird, wenn elementarpädagogische Fachkräfte – auch heute noch – von politischen Mandatsträgern und einem großen Teil der Presse immer noch als „Kindergärtnerinnen" bezeichnet werden, und der Kindergarten im Vergleich zum „Bildungssystem Schule" entweder einen untergeordneten Wert oder eine „Zuarbeiteraufgabe für die Grundschule" zugeschoben bekommt, dann hat die Elementarpädagogik noch nicht geschafft, ihre Aufgaben und ihren eigenständigen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag kompetent nach außen zu tragen. Daher geht es um Transparenz!

Das könnte ich auch, hier mit den Kindern spielen!

Wenn – sicherlich eher vereinzelt – manche Eltern von den Erzieherinnen erwarten, dass es in ihrer pädagogischen Arbeit eher um die unreflektierte Fortsetzung einer begonnenen Familienerziehung gehe und annehmen, dass dafür keine besondere Ausbildung nötig sei (Aussage einer Mutter: „Das könnte ich auch, hier mit den Kindern spielen!"), dann wird dem Kindergarten keine Professionalität zugestanden. Gleichzeitig wird auch der Kindergarten wenig oder gar nichts dazu beigetragen haben, dass ein Mindestmaß an Professionalität zu erkennen war.

Kindergärten und Kindertagesstätten sind eine bedeutsame Institutionalisierung professioneller Pädagogik, allerdings nur dann, wenn fachkompetent an einem eigenständigen und unverwechselbaren Profil gearbeitet wird. Öffentlichkeitsarbeit kann dabei helfen, diese Situation zu verändern. Daher geht es um die Steigerung des Ansehens!

Öffentlichkeitsarbeit darf nicht nur punktuell erfolgen.

Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wird sicherlich nur dann erreicht, wenn bestimmte Aktionen auffallen und damit der Öffentlichkeit deutlich ins Auge springen. Doch wissen wir aus der Kommunikationspsychologie, dass auf der einen Seite zwar die Inhalte bedeutsam sind, auf der anderen Seite aber auch die Beziehungsebene nicht unterschätzt werden darf. Wenn Ziele erreicht werden sollen, muss gewissermaßen auch das Herz angesprochen sein. Zum anderen geht es in der Öffentlichkeitsarbeit nicht um irgendwelche punktuellen "Spots", bei denen nur dann die Öffentlichkeit gesucht wird, wenn aktuelle Notwendigkeiten dazu drängen, bestimmte Kontakte aufzunehmen oder Arbeitsschwerpunkte urplötzlich zu installieren. Öffentlichkeitsarbeit lebst aus einer qualitätsgeprägten Kontinuität heraus – fachlich begründet und beziehungsfreundlich in die Öffentlichkeit transportiert. Daher geht es um den Aufbau und die Pflege eines Vertrauensverhältnisses zur Öffentlichkeit mit langfristigen Wirkungen!

Zum Weiterlesen:
Dr. Armin Krenz
Grundlagen der Elementarpädagogik
Unverzichtbare Eckwerte für eine
professionell gestaltete Frühpädagogik
Burckhardthaus-Laetare, 2014

Aus dem Archiv von Frühe Bildung Online, Erstveröffentlichung: 16.12.2014

Von Prof. Dr. Armin Krenz • 16.05.2019

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