StudentInnen beim Lernen
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Fachschule

Im Fokus: Die Ausbildung der AusbildnerInnen

Der gravierende Fachkräftemangel in den KiTas ist mittlerweile bei allen relevanten Akteuren im Feld sowie in der Politik als zentrale Herausforderung erkannt worden. Rund 330.000 Fachkräfte werden aktuellen Prognosen zufolge bei einem bedarfsgerechten Ausbau bis zum Jahr 2025 zusätzlich gebraucht. Doch wer soll diese immense Anzahl fehlender Fachkräfte ausbilden und wie kann auch hier die Qualität gesichert werden?

Karsten Herrmann

Die bisher im öffentlichen Diskurs eher vernachlässigte Frage nach der Ausbildung der AusbildnerInnen stand nun im Fokus der Herbsttagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit (BAG-BEK) an der Leipziger Universität.

Wie Moderatorin Elke Alsago aus dem BAG-BEK-Vorstand einleitend zu einer Podiumsdiskussion erläuterte, ist im Hinblick auf die ErzieherInnenausbildung „ein massiver Ausbau mit vielen kreativen Ausbildungs- und Quereinstiegsmodellen“ zu beobachten. Damit einher gingen stellenweise die „Absenkung des DQR-Levels“ durch Schnellausbildung sowie die „Öffnung der Fachkräfte-Kataloge“. Insgesamt gebe es in Deutschland derzeit rund 600 Fachschulen für Sozialpädagogik, denen aber nur sechs Universitätsstandorte für die entsprechende LehrerInnenausbildung gegenüber stünden. Entsprechend gebe es einen eklatanten Mangel an ausgebildeten BerufsschullehrerInnen.
 

Fast drei Viertel QuereinsteigerInnen

„Händeringend“ sucht so auch Dr. Sigrid Christeiner, Leiterin der Fachakademie für Sozialpädagogik Maria Stern in Nördlingen, nach Lehrkräften für die ErzieherInnenausbildung und zieht alle Register der Motivation und Bewerbung. „Wir haben ein multiprofessionelles AusbilderInnen-Team mit der Voraussetzung eines Universitätsabschlusses“ erläuterte sie. Großer Wert werde an ihrer Fachakademie auf Praxishospitationen und eine berufsbegleitende Weiterqualifizierung gelegt. „Am liebsten sind mir als QuereinsteigerInnen Bachelor- oder MasterabsolventInnen mit einer vorherigen ErzieherInnenausbildung“ beschrieb sie ihre IdealkandidatInnen, die allerdings auch kaum mehr zu finden seien.

„Ein riesiges Interesse“ an der BerufsschullehrerInnenausbildung konstatierte Manuela Liebig von der TU-Dresden. Den 30 Studienplätzen für die LehrerInnenausbildung mit einem hohen Praxisanteil stehe ein zehnfach höheres Interesse entgegen. Aufgrund mangelnder Ressourcen könnten nicht mehr Studienplätze angeboten werden. Ihren Schätzungen zufolge sind mittlerweile rund zwei Drittel der neuen Lehrkräfte in Fachschulen Seiteneinsteiger ohne eine LehrerInnen-Ausbildung.
 

Der Dequalifizierung begegnen

Petra Zeller aus dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus erklärte die mangelnden Studienplätze in Ostdeutschland auch historisch, da nach der Wende massiv Plätze in der LehrerInnenausbildung abgebaut worden wären. Der Wiederaufbau brauche aufgrund der notwenigen Strukturveränderungen Zeit und entsprechend stiegen die Zahlen der Studienplätze für das Lehramt Sozialpädagogik an Fachschulen auch nur langsam. Die „massive Unterdeckung“ werfe daher die Frage nach Alternativen und nach Seiteneinsteigermodellen auf. So hätte das Land Sachsen schon seit 2000 ein 24-monatiges berufsbegleitendes Qualifizierungsprogramm für Seiteneinsteiger im Angebot. Im Hinblick auf die parallel stattfindende Kultusministerkonferenz forderte sie: „Wir müssen uns bundesweit den aktuellen Herausforderungen stellen, aber der Seiten- und Quereinstieg sollte nicht zur Regel werden.“

„Wer darf an Fachschulen jetzt und zukünftig unterrichten und was muss man dafür können?“ Diese Frage stellte Prof. Dr. Helmut Lechner von der Hochschule für angewandte Wissenschaften im München angesichts der aktuell sehr vielen Quereinsteiger. Selbstkritisch fragte er auch, ob die bisherigen Ausbildungs-Konzepte in wissenschaftlicher sowie in methodisch-didaktischer Hinsicht ausreichend seien. Darüber gebe es zu wenig Wissen. Grundsätzlich stünden wir vor einer „strukturellen und einer qualitativen Herausforderung“ bei der Gewinnung von neuen Lehrkräften für Fachschulen. Lechner plädierte aber dafür die „Spezifik der Profession LehrerIn zu beachten und hochzuhalten“. Dies könne aber auch berufsbegleitend und durch „viele unterschiedliche, niedrigschwellige Angebote“ realisiert werden.

Hieran anschließend unterstrich auch Manuela Liebig, dass SeiteneinsteigerInnen „auf ihre neue Rolle gut vorbereitet und qualifiziert werden müssten, gerade auch im Hinblick auf Methodik und Didaktik.“

Die Podiumsdiskussion der BAG-BEK zeigte, dass man bei der Diskussion der komplexen Frage der Ausbildung der AusbildnerInnen erst am Anfang steht und dass hier große quantitative und qualitätssichernde Herausforderungen zu bewältigen sind. In Ansätzen zeigte sich hier, aus wie viel unterschiedlichen Studiengängen und Professionen SeiteneinsteigerInnen in die Fachschulen kommen und dabei ganz unterschiedlich vorbereitet oder berufsbegleitend qualifiziert werden. Die zentrale Frage lautet daher, wie hier Standards gesetzt und einer Dequalifizierung des LehrerInnenberufs begegnet werden kann.

„In diesem Sinne“, so Moderatorin Elke Alsago abschließend, „spiegelt sich in der Diskussion um die Ausbildung der AusbildnerInnen die Diskussion um die Fachkräftegewinnung für die KiTas wider.“ In Zukunft sollte es daher gelten, beide Diskussionsstränge viel stärker als bisher zusammen zu bringen und zusammen zu denken.

Von Karsten Herrmann • 12.10.2018

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