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Auf die Stimme achten - Selbstfürsorge für Erzieherinnen

Gesund zu bleiben ist eines der wichtigsten Ziele unseres Lebens. Dies gilt im Berufsalltag von Erzieherinnen besonders für ein Gesundhalten der Sprech- und Hörorgane. Im Auftakt zu einer dreiteiligen Serie in klein&groß - MEIN KITA-MAGAZIN 05/18 dreht sich alles um die Gesundheit der Stimme. Diesmal in einem Interview mit dem Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. med. Robin Banerjee. Wir übernehmen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der klein&groß-Redaktion.

Sibylle Münnich

klein&groß: Warum ist die Stimme so wichtig?

Dr. med. Robin Banerjee: Robin Banerjee: Die Stimme ist eines unserer wichtigsten Organe um miteinander zu kommunizieren. Gerade im Erzieherberuf ist sie häufig im Dauereinsatz, da mit der Stimme Kindern etwas vermittelt oder übermittelt wird. Daher sollte ihr auch Achtung bzw. Beachtung geschenkt werden.

Der Alltag von Erzieherinnen ist sehr abwechslungsreich und manchmal auch herausfordernd. Was wirkt sich Ihrer Erkenntnis auf die Sprech- und die Hörorgane aus?

Da in der Kita oftmals ein hoher Geräuschpegel herrscht, wird es dann zur Herausforderung, wenn die Erzieherin stimmlich versucht dagegen „anzukämpfen“. Erzieherinnen sollten „normal“ mit ihrer Stimme umgehen, d. h. versuchen nicht zu laut zu sprechen bzw. nur dann, wenn es wirklich erforderlich ist. Die größte Gefahr ist, dass sie sich eine falsche Stimmtechnik beibringt und anwendet. Das gilt es zu vermeiden, denn die Stimme als wichtiges Instrument, sollte lange gut erhalten bleiben.

Was verstehen Sie unter einer falschen Stimmtechnik?

Lautes Schreien oder sehr lautes Sprechen: Versuchen Sie als Erzieherin sich auch mit Ihrer normalen (sich angenehm anfühlenden) Stimme zu sprechen und somit wenig Druck auf die Stimmbänder zu geben. Auch damit können Sie sich bei den Kindern durchsetzen. Wenn Sie sehr laut schreien oder sehr laut sprechen, wird viel zu viel Druck auf die Stimmbänder gegeben und das führt zu einer unnötig hohen Belastung. Zu wissen, dass ich die Kinder auch erreichen kann, wenn ich leise oder normal spreche, ist meist reine Kopfsache.

Auch die Ohren sind bei Erzieherinnen ja tendenziell belastet …

Für Hörorgane gibt es kein spezielles Training. Hier gilt es Lärm zu vermeiden, was natürlich in diesem Berufsfeld eine Herausforderung ist, da Kinder meist nicht so kontrolliert sprechen. Daher empfehle ich in der Freizeit Lärm zu vermeiden. Sie können Ihre Ohren schonen, indem Sie z. B. keine laute Musik im Auto oder durch Kopfhörer hören. Wenn Sie eine hohe Lärmbelastung im Beruf haben, sollten Sie anderweitig Ihren Ohren keinen zusätzlichen hohen Geräuschpegel aussetzen.

Erzieherinnen brauchen ihre Stimme sehr oft. Daher sind Krankheiten im HNO-Bereich hinderlich. Was sind hier die häufigsten Krankheiten im Erzieherberuf und wie kann man vorbeugen? 

Die häufigsten Krankheiten hier sind Infektionskrankheiten, also Erkältungen oder Entzündungen der Atemwege, wie z. B. gerötete Stimmbänder oder Entzündungen des Kehlkopfs. Gerade in den Anfangsjahren als Erzieherin treten diese vermehrt auf, da sich das Immunsystem trainieren muss, um Viren abzuwehren, die diese Entzündungen im Kehlkopf hervorrufen. Vereinzelt kommen auch Erzieherinnen zu mir in die Praxis, die aufgrund einer falschen Stimmtechnik Knötchen auf den Stimmbändern haben, das ist aber eher seltener der Fall. Die meisten Krankheiten werden wirklich durch Viren hervorgerufen.

Welche Präventionsmaßnahmen können Erzieherinnen generell treffen, um HNO-technisch fit zu bleiben?

Vorbeugen können Sie durch ausreichendes Trinken, damit genügend Flüssigkeit auf den Schleimhäuten ist und zusätzlich Lutschtabletten wie z. B. GeloRevoice® anwenden. Diese befeuchten die Stimmbänder und sorgen für deren Wohlergehen. Ansonsten können Sie sich vor Viren schützen, indem Sie nicht aus dem gleichen Glas mit anderen trinken oder generell Schleimhautkontakt vermeiden. Auch eine ausreichende Desinfektion ist wichtig, um einer Ansteckung durch Viruserkrankungen beizukommen.
 

Wie können Erzieherinnen handeln, wenn sie stimmliche Probleme haben?

Zunächst gilt es Krankheiten abklären und dann evtl. eine Vorstellung beim Logopäden in Erwägung ziehen, um eine Stimmtherapie zu machen. Hier ist es meiner Ansicht nach ganz wichtig auf sein Bauchgefühl zu achten. Wenn Sie das Gefühl einer ständigen Verkrampfung im Halsbereich haben, gehen Sie zum HNO-Arzt und lassen Sie das abklären. Dieser kann dann entscheiden, wie die Stimmbänder aussehen, ob es z. B. Belastungsanzeichen gibt, die behoben werden können, oder ob ein Training beim Logopäden erforderlich ist. Diese Abklärung sollte frühzeitig erfolgen, nicht erst nach Monaten, wenn die Stimme schon über einen langen Zeitraum hoher Belastung ausgesetzt ist.
 

Noch ein Blick auf die Kinder: Sollten Erzieherinnen mit Kindern die Stimmbänder trainieren?

Kinder nutzen ihren Sprechapparat meist automatisch richtig, sie brauchen kein spezielles Stimmtraining. Eine Ausnahme bieten Kinder, die häufig in einer hohen Frequenz schreien und somit evtl. Schreiknötchen entwickeln. Dem kann vorgebeugt werden, indem sie weniger Anlass zum Schreien bekommen oder schnell beruhigt werden.
Bei Kindern sollte man eher darauf achten, ob eine Hörstörung wie z. B. Wasser hinter dem Trommelfell (ein sogenannter Paukenerguss), vorliegt. Dann sollten Sie sie umgehend zum HNO-Arzt verweisen, um Krankheiten des Hörapparates abzuklären.
Vielen Dank für das informative Interview!

 

Quelle: klein&groß - MEIN KITA-MAGAZIN 05/18, Seite 52-53

Von Sibylle Münnich • 11.07.2018

Dr. med. Robin Banerjee

ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Unna.

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