Zwei Kinderhände liegen in einer Erwachsenenhand
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Fachartikel

Gewaltfreiheit in der Kita

Das Recht auf gewaltfreie Erziehung ist seit 2000 im Grundgesetz verankert. Es erkennt die Würde der Kinder von Anfang an und verlangt – zur Umsetzung der UN- Kinderrechtskonvention – sie gerade wegen ihrer Verletzlichkeit und Abhängigkeit besonders zu schützen, zu fördern und einzubeziehen. Das ist eine große Herausforderung für die Erwachsenen, die in ihrem Aufwachsen oft nicht als gleich würdig geachtet wurden. Ihnen wird aufgetragen, mit dem Konzept der Dominanz und Geringschätzung gegenüber Kindern zu brechen, deren Rechte und Bedürfnisse ebenso wie die eigenen anzuerkennen und – entsprechend ihrer Verantwortung als BegleiterInnen der Kinder – Wege der Gewaltfreiheit zu erproben und vorzuleben: Wie Konflikte ohne Gewinner und Verlierer gelöst und der Kreislauf der Gewalt beendet werden kann. In diesem Kita-Fachtext wird zunächst das Konzept der Gewaltfreiheit dargestellt und erläutert, wie es in der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg umgesetzt wird. Auf dieser Grundlage wird beschrieben, wie Gewaltfreiheit im Kita-Alltag gelebt werden kann und welche Auswirkung das auf die Beziehungsgestaltung und die Qualitätsentwicklung hat. Dabei beleuchtet dieser Fachtext nur einige ausgewählte Aspekte der Beziehung der Fachkraft zu sich selbst sowie zu den Kindern.

Barbara Leitner

1. Einleitung

Mit der Änderung des Grundgesetzes im November 2000 wurde das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert und damit jede Art körperlicher oder seelischer Gewalt gegenüber Kindern verboten (§ 1631 BGB Absatz 2). Zugleich wurde im Achten Sozialgesetzbuch ergänzt, dass in der Förderung der Erziehung Wege aufgezeigt werden sollen, wie „Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können“ (SGB VIII, § 16 Absatz 1d). Damit wird mit einer jahrhundertealten Erziehungstradition gebrochen (Peschel-Gutzeit 1999), in der es üblich war, Kinder als Objekte einer (auch gewaltvollen) Erziehung zu behandeln.

Die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 verlangt dieses Umdenken, das auch zu der oben genannten Grundgesetzänderung führte. Die UN-Kinderrechtskonvention konkretisiert die Festlegungen der allgemeinen Menschenrechten in Bezug auf die Belange von Kindern. Sie verlangt, die Beziehung der Erwachsenen zur nachfolgenden Generation zu korrigieren. Die Erwachsenen sind aufgefordert, die Würde von Kindern von Anfang an anzuerkennen sowie deren Entwicklungsstand in Rechnung zu stellen und sie entsprechend zu schützen, zu fördern und zu beteiligen. Ohne dass das Wort Gewaltfreiheit in der Kinderrechtskonvention auftaucht, verpflichten sich die unterdessen 196 Unterzeichnerstaaten, „das Wohl des Kindes“ bei allen Maßnahmen „vorrangig“ zu berücksichtigen (KRK, Artikel 3).

 Der Auftrag, die Würde der Kinder zu achten, sie als Rechtssubjekte zu respektieren und sie gewaltfrei zu erziehen, gilt auch für pädagogische Fachkräfte in der Kita. Zum einen erhalten sie durch den Betreuungsvertrag der Eltern mit der Kita ein abgeleitetes Erziehungsrecht für die Betreuungszeit der Kinder. Damit gilt rechtlich für die Fachkräfte, was für die Eltern zutrifft.

Zum anderen ist im Achten Sozialgesetzbuch, bekannt auch als „Kinder- und Jugendhilfegesetz“, als Auftrag für Tageseinrichtungen formuliert: „(3) Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er schließt die Vermittlung orientierender Werte und Regeln ein. Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungsstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen“ (SGB VIII, § 22).

Pädagogische Fachkräfte sind somit in einer exponierten Position, Gewaltfreiheit als ein Prinzip der Konfliktlösung zu entwickeln und den Kindern darin Vorbild zu sein.

Dabei sind pädagogische Fachkräfte in mehrfacher Hinsicht gefordert. Zum einen ist die Frage, welche Erfahrungen sie selbst in ihrer Sozialisation gemacht haben.

Wurde ihre Würde als Kinder geachtet? Durften sie Subjekt sein bzw. entwickelten sie sich als Subjekte und können dadurch auf stabile Ressourcen gewaltfreier Denk- und Verhaltensmuster zurückgreifen? Oder lernten sie, ihre Macht und Würde aufzugeben und sich zu unterwerfen bzw. zu rebellieren und sich durch Kampf zu behaupten? (vgl. Bauer 2010, 43ff.; Hüther 2018, 123ff.)

Je nach verinnerlichten Denk- und Verhaltensmustern haben Menschen auch ein verschiedenes Verständnis von Konflikten sowie eine unterschiedliche Bereitschaft und Fähigkeit, diese gemeinsam zu lösen. Pädagogische Fachkräfte brauchen ein biografisches Wissen und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und -reflexion, um kompetent handeln zu können (vgl. Ebert 2008, 188 ff.)

Zum anderen wirkt bei der Umsetzung des Rechts auf gewaltfreie Erziehung (wie der Kinderrechte überhaupt) das besondere Verhältnis zwischen Rechtsinhabern und Verantwortungsträgern in der Beziehung von Kinder und Erwachsenen auch zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern. Auf der einen Seite begegnen sie sich als Menschen mit gleicher Würde. Auf der anderen Seite sind die pädagogischen Fachkräfte für die Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder verantwortlich. D.h. das Verhältnis zwischen ihnen ist asymmetrisch. „Mit dieser Asymmetrie verbunden ist eine strukturelle Machtungleichheit. Erwachsene haben die Pflicht, ihre Macht nicht für ihre eigenen Zwecke, sondern ausschließlich an den besten Interessen des Kindes (Kindeswohl) orientiert zu gebrauchen“ (Maywald 2016, 15). Gerade zwischen diesen beiden Polen – Verantwortung zu tragen und einem gleichwürdigen Menschen zu begegnen – entfaltet sich die Gewaltfreiheit in der Kita.

2. Das Konzept der Gewaltfreiheit

In den verschiedenen Wissenschaften wird Gewalt als bewusster oder unbewusster, zerstörerischer und ungerechtfertigter Gebrauch von Macht in sozialen Beziehungen definiert. Das Wort leitet sich aus dem Althochdeutschen von „waltan“ „stark sein, beherrschen“ ab. Gewalt auszuüben heißt, jemanden dem eigenen Willen zu unterwerfen. Diese Persönlichkeit wird in ihrer Entfaltung eingeschränkt und erlebt eine Diskrepanz zwischen dem potentiell und dem aktuell Möglichen. Dabei ist es notwendig anzuerkennen, „dass wir alle gewalttätig sind und dass es darum geht, unsere Einstellung grundlegend zu ändern“, wie Arun Gandhi, der Enkel von Mahatma Gandhi, schreibt (Rosenberg 2004a, 9). „Wir halten uns nicht für gewalttätig, weil wir uns unter Gewalt einen Kampf, einen Mord, eine Schlägerei und Kriege vorstellen.“ (ebenda) In seinem Verständnis hält nicht nur körperliche Gewalt, sondern ebenso passive Gewalt und Ärger den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt weiter in Gang. „In der Gewaltlosigkeit geht es darum, negative Einstellungen, die uns beherrschen, in positive Einstellungen umzuwandeln“ (ebenda, 10).

2.1 Gewaltfreiheit bei Jesus, M. Gandhi und M.L. King

Das Konzept der Gewaltfreiheit hat eine lange Tradition. Bereits Jesus lehrt in seinen Schriften, sich zu weigern, dem Bösen mit seinen eigenen Mitteln zu begegnen. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann“, heißt es in den Römerbriefen (Römer 12, 17). Der Gegner soll dem Gegenüber nicht die Methoden der Gegnerschaft diktieren. Er fordert die Menschen dazu auf, „über Passivität wie auch Gewalt hinauszugehen und einen dritten Weg zu finden, einen Weg, sich durchzusetzen und dennoch Gewalt zu vermeiden“ (Wink 2014, 92). Zu Beginn der Zeitenrechnung fordert er die Sklaven auf, sich nicht länger demütigen zu lassen. Vielmehr rief Jesus die Unterdrückten auf, sich ihr eigenes Menschseins gewahr zu werden, die Ungleichbehandlung nicht hinzunehmen und einen dritten Weg zu suchen, der weder Angriff noch Flucht heißt. Jesus‘ gewaltfreie Aktionen sind bis heute in Sentenzen wie „die andere Wange hinhalten“, „eine zweite Meile mitgehen“ oder „sich nackt ausziehen“ überliefert, deren revolutionärer Gehalt sich jedoch nur vor dem konkreten historischen Kontext erschließt. Jesus sieht Gewaltfreiheit als ein Mittel, sich dem Feind auf eine Weise zu widersetzen, die ihm auch die Möglichkeit offenhält, sich selbst gerecht zu werden. Letztlich müssen beide Seiten gewinnen. „Wir werden aufgerufen, für die Verwandlung unserer Feinde zu beten und auf schlechte Behandlung mit einer Liebe zu antworten, die nicht nur göttlich ist, sondern von Gott kommt“ (ebenda, 99).

In der Moderne ist das Prinzip der Gewaltlosigkeit zunächst mit dem Wirken des indischen Freiheitskämpfers Mathatma Gandhi verbunden. Er sprach von „Satyagraha“, im Deutschen „Gütekraft“, was später mit Gewaltfreiheit übersetzt wurde. Gandhi vertrat die Auffassung, dass Gegengewalt der Passivität vorzuziehen sei und aktive Gewaltfreiheit der Gegengewalt. Dabei ging es ihm nicht nur um die ethische Bewertung oder die Wirksamkeit einer Handlung für eine langfristige Problemlösung. Er sah auch die Auswirkung auf die Gesundheit und Integrität der reagierenden Person. Gandhi geht davon aus, dass eine Person sich selbst schädigt, wenn sie passiv bleibt und nichts gegen Unrecht tut. Zum einen, weil sie Unrecht an ihr selbst zulasse; zum anderen, weil sie sich mit Selbstvorwürfen plagt. Diese Überzeugung wird heute durch vielfältige Studien bestätigt (vgl. Singer & Bolz 2013).

„Die Grundbedeutung von Gewaltfreiheit ist Festhalten an der Wahrheit, Kraft der Wahrheit. Ich habe sie auch Liebes- oder Seelenkraft genannt. Bei der Anwendung von Gewaltfreiheit entdeckte ich schon sehr früh, dass die Wahrheitssuche es nicht erlaubt, dem Gegner Gewalt anzutun. Er muss vielmehr durch Geduld und Mitgefühl von seinem Irrtum abgebracht werden. Was aber dem einen als Wahrheit erscheint, mag dem anderen als Irrtum erscheinen. Geduld aber bedeutet Selbstleiden. Von da an bedeutete die Lehre von der Gewaltfreiheit, dass man die Wahrheit verteidigt, indem man nicht dem Gegner, sondern sich selbst Leiden zufügt“ (Gandhi 1991, 6).

Gewaltfreiheit wird im Sinne von Mahatma Gandhi als Selbstermächtigung, als eine Kraft des Empowerments und der großen Klarheit verstanden: Das Unrecht und das Bedürfnis werden benannt. Gleichzeitig wird auf jede Gewalt verzichtet, um keine Eskalation zu fördern. Im Interesse der Verbundenheit und der Gemeinschaft sowie zum Wohlergehen aller ist der gewaltlos Agierende bereit, für die Durchsetzung seiner Ziele etwas auf sich nehmen. Dabei stützt ihn die Hoffnung, dass es ein fruchtbares „Leiden“ sei und seine Initiative dazu beitrage, dass man sich mit seinem Gegenüber hin zu einer gemeinsamen Lösung bewegt. Dieses Herangehen ist bei der Win-Win-Methode und dem Bemühen um einen Konsent (s. Glossar) wiederzufinden.

Martin Luther King lernte von Gandhi, dass Widerstandslosigkeit gegenüber dem Bösen etwas anders sei als Widerstand ohne Gewalt. Als schwarzer christlicher Prediger setzte er auf „Agape“, die uneigennützige Liebe, die das Beste für den anderen sucht und sich völlig vom Freund-Feind-Denken löst. Während der Rassenauseinandersetzung in den USA der 1960er Jahre sah er deutlich, dass die Rassentrennung das Denken und Fühlen der Weißen beeinträchtigt hatte und forderte seine MitstreiterInnen auf, dafür ihr Mitgefühl aufzubringen. „Bringt so viel Liebe auf, dass ihr Böses hinunterschlucken könnt, und so viel Verständnis, dass aus Feinden Freunde werden!“ (zitiert nach Härtel 2009, 47 – aus King 1984, 132).

Als geistiger Führer des gewaltlosen Widerstandes gegen den Rassismus wurde King wiederholte ins Gefängnis gesperrt und der Macht und Ungerechtigkeit ausgeliefert. Dennoch hielt er an seiner Position fest: „Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen. Wir sind in einem unentrinnbaren Netz wechselseitiger Abhängigkeit verfangen und in ein einziges Gewand gemeinsamen Schicksals verwoben. Was den einen unmittelbar betrifft, betrifft alle anderen mittelbar“ (ebenda 65). Keiner ist nicht betroffen von dem Schicksal anderer, auch wenn es so scheint. Dabei war King davon überzeugt, dass gerade der gewaltlose Widerstand der Missachteten die weiße Mehrheitsgesellschaft aufrütteln kann. Er würde ihnen ihre Vorurteile vor Augen führen und sie Achtung gegenüber der jahrhundertelang sklavisch unterdrückten schwarzen Bevölkerung der USA lehren (ebenda, 68f). Auch King sagte wie Gandhi, „dass Gewaltlosigkeit nicht unfruchtbare Passivität ist, sondern eine mächtige moralische Kraft, die gesellschaftliche Wandlungen herbeiführt“ (zitiert nach ebenda, 106).

2.2 Gewaltfreie Kommunikation zur Umsetzung der Gewaltfreiheit in Beziehungen

Seit über 30 Jahren ist die Idee der Gewaltfreiheit vor allem durch die Haltung und das Modell der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von Marshall Rosenberg im Gespräch. Die GFK setzt systemische und konstruktivistische Ansätze der humanistischen Psychologie durch ein Vier-Schritte-Modell konkret in Sprache um. Ab dem 1970er Jahren entwickelte der amerikanische Psychologe Marshall Rosenberg diesen Ansatz, den er in Referenz für Mahatma Gandhi Gewaltfreie oder Einfühlsame Kommunikation nannte. Mit ‚Gewaltfreiheit‘ meint er „unser einfühlendes Wesen, das sich entfaltet, wenn die Gewalt in unserem Herzen nachlässt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war“ (Rosenberg 2004a, 22).

Dieser Ansatz hilft, sich gewaltvolle Kommunikationsmuster der Verteidigung, des Rückzugs bzw. des Angriffs bewusst zu machen. Menschen nutzen diese, in der Regel unbewussten Mechanismen, um sich selbst und ihre Integrität zu schützen, wenn sie kritisiert werden bzw. andere oder sie sich selbst verurteilen. Damit ist es in der Regel unwahrscheinlich, dass ein Sender mit seiner Botschaft tatsächlich gehört wird und eine Verbindung zwischen den Menschen entsteht. Durch eine wertende und urteilende Mitteilung wird der Kontakt zu anderen Menschen erschwert oder behindert, Feindschaft geschürt und eskaliert leicht (verbale und körperliche) Gewalt zwischen einzelnen Menschen und Gruppen. Marshall Rosenberg selbst mediierte in den USA und vielen Ländern der Welt zwischen zerstritten Gruppen, befeindeten Völkern und Stämmen und erreichte eine Verständigung und Frieden. Über seinen Ansatz schrieb er: „Dadurch dass die GFK die Betonung auf intensives Zuhörens nach innen und außen legt, fördert sie die Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Einfühlung und erzeugt auf beiden Seiten den Wunsch, von Herzen zu geben“ (ebenda, 23).

Die vier Schritte der GFK sind:

● die Beobachtung dessen, was das Wohlbefinden beeinflusst, ohne es zu bewerten,

● die Gefühle, die dadurch im Körper wahrnehmbar sind

● die Bedürfnisse, auf die die Gefühle verweisen, deren Lebensenergie berührt wird und sich weiter entfalten will

● sowie die Bitte nach einer konkreten Handlung, die das Leben für alle bereichert.

Sich in ihrem Bewusstsein und in ihrer Sprache auf diese Schritte der GFK auszurichten, ermöglicht Menschen, miteinander in Verbindung zu gehen und Trennung zu überwinden.

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg greift die von Jesus, Mahatma Gandhi und Martin Luther King benannten und erprobten Denk- und Handlungsweisen der Gewaltfreiheit auf. Sie versteht sich als eine Haltung zu sich selbst, zum Leben sowie zu seinem Gegenüber, die mehr und mehr Grundlage für das Agieren und Reagieren unabhängig von der jeweiligen Situation wird. Sie geht von der untrennbaren Verbundenheit zwischen allen Menschen aus und würdigt die eigene innere und äußere Wahrheit in dem gleichen Maße wie die des Gegenübers. Gewaltfreiheit beinhaltet, mit der Fülle des Lebens in Kontakt zu sein, Wahlfreiheit zu haben und sich als GestalterIn des eigenen Lebens zu verstehen.

2.3 Grenzen der Gewaltfreiheit

Die Grenzen der Gewaltfreiheit und damit der Fähigkeit zur Einfühlung in das Gegenüber und der Auflösung von Feindbildern liegen in der Grenze der Empathie für sich selbst. „Wenn wir nicht in der Lage sind, einfühlsam mit uns selbst umzugehen, wird es uns auch sehr schwer fallen, es mit anderen zu tun“ (Rosenberg 2006, 49).

Dabei ist die GFK mehr ein Prozess als nur eine Sprache. Sie bietet keinen Weg für schnelle Lösungen, vielmehr „ist sie eine ständige Mahnung, unsere Aufmerksamkeit in eine Richtung zu lenken, in der die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir das bekommen, wonach wir suchen“ (Rosenberg 2004a, 23). D.h. Gewaltfreiheit entwickelt sich und muss zugleich immer wieder hergestellt werden.

Menschen werden nicht gewaltfrei denken und handeln:

● wenn sie bewerten, statt zu beobachten. Wenn etwas passiert, was sie nicht mögen, neigen Menschen dazu, zu urteilen und andere in Schubladen zu stecken. Gleichzeitig erschweren die eigenen Erfahrungen (als Mann, als Erwachsener, als Weiße/r, als Westdeutsche/r…) wahrzunehmen, dass das Realität für andere anders aussieht. Das Urteilen und die Verabsolutierung der eigenen Sicht entlasten scheinbar, verhindern jedoch, eine gemeinsame Gesprächsbasis herzustellen (vgl. Rosenberg 2004a, 34; Dittmar 2007)

● wenn sie keinen Kontakt zu ihren Gefühlen im Moment haben. Im allgemeinen gesellschaftliche Verständnis gehen Menschen davon aus, dass ihre Gefühle durch das Verhalten anderer beeinflusst, ja sogar „gemacht“ werden. Zugleich gibt es auch im pädagogischen Bereich ein Verständnis von Professionalität, das fordert, die Dinge sachlich und nicht emotional zu betrachten (vgl. Dittmar 2007). Durch beide Gewohnheiten wird die Verbindung zwischen Menschen leicht blockiert oder verhindert. Rosenberg geht mit seinem Modell der GFK davon aus, dass Körperempfindungen, Stimmungen und Gefühle einen Einblick in die innere Wahrheit eines Menschen im Moment geben und auf die dahinterliegenden Bedürfnisse hinweisen. Damit sind sie eine Brücke für das Erleben im Hier und Jetzt zwischen Menschen. Rosenberg greift dabei Erkenntnisse von Rogers auf, der schreibt: „Mir scheint, ich erreiche mehr, wenn ich mir selbst zustimmend zuhören kann, wenn ich ganz ich selbst sein kann.[...] , weil es das merkwürdige Paradoxon ergibt: wenn ich mich so wie ich bin akzeptiere, dann ändere ich mich“ (Rogers 1983, 33).

● wenn sie keinen Kontakt zu ihren Bedürfnissen haben und sich auf eine oder wenige Strategien zur Lösung eines Problems konzentrieren. Solche festgelegten Impulse und Verhaltensmuster wurden durch die Sozialisation gelernt und sind in der Regel nicht reflektiert. Häufig sind sich Menschen nicht bewusst, welche Bedürfnisse sie sich durch bestimmte Handlungen erfüllen. Zugleich wird Bedürfnis häufig mit „bedürftig“, d.h. einem Mangel gleichgesetzt. Den wollen Menschen nicht fühlen. Damit versperren sie sich den Zugang zu einer wichtigen Quelle von Verbindung: den Bedürfnissen (Rosenberg 2004, 67ff.).

Im Unterschiede zur herkömmlichen, von Marshall Rosenberg als „Wolfssprache“ bezeichneten Sprache der Dominanz, lenkt die GFK die Aufmerksamkeit nicht auf Schuld, sondern auf (unerfüllte) Bedürfnisse. Nicht weil jemand etwas getan hat, wird gefühlt, was gefühlt wird, sondern weil die Lebensenergie des Menschen berührt ist. Bedürfnisse sind dabei von Ort, Zeit und Person unabhängig. Rosenberg betont, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben, nicht im gleichen Ausmaß und zur gleichen Zeit. Dennoch sind die Bedürfnisse durch ihre Universalität der Schlüssel zur Verständigung und Konfliktlösung und damit das Herzstück der GFK.

● wenn sie Forderungen stellen, ohne eine Wahlfreiheit einzuräumen; ihre Bitte äußern, ohne sichtbar zu machen, wozu das Gegenüber beitragen kann; sie nicht bereit sind, ein Nein zu akzeptieren bzw. sie überhaupt offenlassen, wie nun gehandelt werden soll.

Statt klare Bitten zu äußern, ist es oft üblich, eine moralische Forderung zu stellen („Sei brav!“) oder die Negation anzubieten („Hör auf zu schlagen!“). Damit erhält das Gegenüber keine Orientierung, wie es zum Wohlergehen aller beitragen kann. Wird jedoch eine Forderung formuliert, die kein Nein erlaubt, bleibt der Blick auf neue, unbekannte Wege versperrt. Es wird die Autonomie, Kreativität und Fülle an Möglichkeiten beschränkt (ebenda, 87ff.).

3. Gewaltfreiheit in der Kita

Gewaltfreiheit in der Kita zu leben heißt, einen Ort der Selbstbestimmung und Verbundenheit zu schaffen, an dem die Würde aller respektiert wird. Kinder und pädagogische Fachkräfte fühlen sich dort sicher und wohl. Dadurch können sie mit intrinsischer Motivation, lustvoll und gemeinsam lernen (vgl. u.a. Prengel et al. 2017; Hüther 2018).

Dabei fängt im Verständnis von Marshall Rosenberg Gewalt an, wo ein „ich muss“, „wir sollten“, „es geht nicht anders“ regieren (vgl. Rosenberg 2004a, 38). Gewaltfreiheit schließt Wahlfreiheit ebenso ein, wie verantwortliches Handeln im Interesse der Gemeinschaft und die Bewusstheit für die Verbundenheit.

Seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie 2000 sind die Anforderungen an die frühpädagogische Praxis enorm gestiegen. Den in diesem Feld Tätigen wurden jedoch nicht im gleichen Maße unterstützende Ressourcen zur Verfügung gestellt. Aktuelle Studien zur Fluktuation und Verweildauer im Beruf, dem Krankheitsstand und dem akuten Personalmangel zeichnen das Bild eines belasteten Berufsstandes. Pädagogische Fachkräfte, deren Auftrag es ist, kleine Kinder in ihrer Subjekthaftigkeit zu sehen und zu begleiten, erfahren sich offensichtlich selbst nicht ausreichend als Subjekte (Hüther 2018, 150ff.). Darauf verweist eindrücklich der Forschungsbericht „Schlüssel guter Bildung, Erziehung und Betreuung“ (Viernickel et al. 2013). Werden deren Ergebnisse und die dort entwickelte Typologie in ein Verständnis der GFK übersetzt (vgl. Rosenberg 2004a, 78ff.), handelt eine große Zahl von Teams „als emotionale Sklaven“ (ebenda) und übernimmt keine Verantwortung für die eigenen Gefühle. Für sie stellt zwar das Bildungsprogramm den positiven Orientierungshorizont dar. Es bringt sie jedoch unter Umsetzungsdruck und zu einer Anwendungsoptimierung, d.h. zu einem gewaltvollen Denken und Handeln zunächst gegen sich selbst. Wenn es um Gewaltfreiheit und die Qualitätsentwicklung geht, besteht für diesen Typus die Herausforderung darin, in Teamentwicklungsprozessen die eigenen Bedürfnisse der MitarbeiterInnen und des Teams zu formulieren, in Beziehung zu den Anforderungen zu setzen und abzuwägen, was davon unter den vorhandenen Bedingungen erfüllbar ist und was nicht. Dann können sie sich wieder als GestalterInnen ihrer eigenen Praxis erleben.

Ein weiterer Typus von Teams handelt „als Rebellen“ (ebenda). Diese Teams bestehen immerhin auf den eigenen Bedürfnissen und negieren jedoch die an sie gestellten Anforderungen: Sie sehen das Bildungsprogramm als negativen Gegenhorizont, von dem sie sich distanzieren und den sie ablehnen. Sie agieren jenseits emotionaler Freiheit und damit gewaltvoll – gegen sich selbst und das Umfeld. In diesem Fall ist es für die Fachkräfte notwendig, wahrzunehmen, dass sie nicht im luftleeren Raum agieren. Statt die Anforderungen weiter zu verdrängen, sollten sie anerkennen, dass diese nicht aus der Luft gegriffen sind und es notwendig ist, ihnen gegenüber verantwortlich zu agieren.

Lediglich jene Teams, die in der Studie als „wertekernbasiert“ (Viernickel et al. 2013) benannt werden, nehmen den Bildungsauftrag für ihre Einrichtungen nicht als Forderung auf, die sie erfüllen müssen bzw. unterlaufen. Sie setzen sich mit den an sie gestellten Anforderungen aktiv auseinander, gleichen diese mit den Bedingungen und Möglichkeiten vor Ort sowie mit ihren eigenen Intentionen ab und sind gerade deshalb in der Lage, gesund in Beziehung zu sich und dem Umfeld zu handeln.

Nach den vorn genannten Kriterien von Gewaltfreiheit nehmen sie sich selbst ernst und es auf sich, ihr Maß zu finden, was sie tatsächlich langfristig und nachhaltig zu leisten in der Lage sind. Sie empfinden Wahlfreiheit, suchen ihre eigenen Möglichkeiten zum Handeln und nehmen sich als Subjekte wahr und begleiten entsprechend die Kinder. „Nimmst du das Kind komplett so an, wie es ist, liebst du das Kind und fängst du da an, seine Gaben und Fähigkeiten rauszuholen, wo sie sind, und das Kind zu stärken in der tiefsten Tiefe und dem Kind IchKompetenz und Vertrauen für das Leben zu geben – und wenn du das richtig kapiert hast, dann brauchst du keinen Bildungsplan als Gebetsbuch nebendran“ (Viernickel et al. 2013, 101). Marshall Rosenberg nennt dieses Stadium emotionale Befreiung. „In diesem Stadium ist uns bewusst, dass wir unsere Bedürfnisse niemals auf Kosten anderer erfüllen können“ (Rosenberg 2004a, 80). 

3.1 Gewaltfreiheit der der pädagogischen Fachkraft in Beziehung zu sich selbst

Die Profession einer pädagogischen Fachkraft ist erster Linie ein Beziehungsberuf. Pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten wirken mehr durch ihre Präsenz und ihr Vorbild als durch das, was sie tun oder sagen (Pyramide der Einflussnahme).

Die Fähigkeit, gewaltfrei zu denken und zu handeln, ist wesentlich bestimmt von einem klaren Professionsverständnis. Sie braucht eine Klarheit über die eigene Rolle im Beziehungsgefüge der Kita und eine empathische Verbundenheit. Für pädagogische Fachkräfte ist in diesem Zusammenhang insbesondere relevant, das eigene Gewordensein und die Erfahrungen mit Macht biografisch zu reflektieren und die Erkenntnisse im professionellen Handeln umzusetzen (Rosenberg 2004, 181ff.; Rosenberg 2004 b, 100f.; Rehmann 2018, 5ff.).

Verschiedene Befunde sprechen dafür, dass offensichtlich eine große Zahl an pädagogischen Fachkräften ihr Bedürfnis nach Wertschätzung nach außen verlagert und erwartet, dass es von der Gesellschaft bzw. im Alltag von den Kindern oder durch die Eltern befriedigt wird. Sie selbst sind häufig nicht im Kontakt mit ihren eigenen Bedürfnissen bzw. erfahren diese nur im Mangel. Wenn Menschen ihre Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es häufig andere auch nicht.

Ahnert (2010) beschreibt wichtige Bedürfnisse von Kindern im Kita-Alltag: Zuwendung, Sicherheit, Stressreduktion, Explorationsunterstützung und Assistenz. Auch pädagogische Fachkräfte haben vergleichbare Bedürfnisse: nach Zuwendung, Wertschätzung, Austausch, Sicherheit, Gesehen werden, Teilhaben, Beitragen, Sinn, Stressreduktion, Entlastung, Reflexion, Entspannung, Gesundheitsfürsorge, Unterstützung etc.

In der Fähigkeit der pädagogischen Fachkräfte, die Signale der Kinder wahrzunehmen und angemessen und prompt darauf zu reagieren – in der Frühpädagogik sensible Responsivität genannt (Remsperger 2013) - wird deutlich, wie die Person mit sich selbst und ihren Bedürfnissen in Kontakt ist. Feinfühligkeit und eine empathische Gestimmtheit offenbaren sich in der Sprache und Stimme, der Körperhaltung und Körperspannung, im Gesicht und in den Handlungen ebenso, wie eher Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit oder Grobheit.

Um als pädagogische Fachkraft eine sichere Basis für die Kinder sein und den Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllen zu können, ist es nicht notwendig, perfekt zu sein. Ähnlich wie Bowlby von einer „good engough mother“ (Bowlby 2006) spricht, genügt es eine „ausreichend gute“, sensible Fachkraft zu sein, die fürsorglich und wertschätzend, engagiert und affektiv kompetent handelt. Sie braucht auch ausreichenden Selbstwert und – wie Gandhi es nannte – „Gütekraft“, um mögliche Kränkungen von „schwierigen“ Kindern zu überstehen und sich in deren herausfordernde Gefühlslagen einzufühlen und sie adäquat begleiten zu können, neue Verhaltensmuster zu erlernen (vgl. Schleifer 2012).

Nicht immer können die Familien die Bedürfnisse ihrer Kinder zwischen Geborgenheit und Autonomie ausreichend erfüllen, sodass die Kinder emotional sicher und ausgeglichen in die Kita kommen. Außerdem löst auch die Trennung von der Familie und der Alltag in der Kita bei den Kindern Stress aus (Ahne 2013). Hinzu kommen die nach wie vor bundesweit noch nicht ausreichend guten Bedingungen für die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung (Viernickel et al. 2015). Das ist außerordentlich herausfordernd für die pädagogischen Fachkräfte. Nach Angaben von Kunz fühlen sich 40 Prozent der von ihm befragten Fachkräfte durch die Anzahl der Arbeitsaufgaben überfordert und 33 Prozent meinen, keine Pause machen zu können (Kunz 2014).

Um für die Kinder einen Raum der Geborgenheit herzustellen, in dem sie sich als autonome Persönlichkeiten sicher fühlen, sich zeigen und dadurch lernen können, ist es notwendig, dass pädagogische Fachkräfte selbst ausreichend mit ihren Bedürfnissen verbunden sind und sich in einem ressourcenvollen Zustand befinden.

Dieser Prozess, der Menschen wieder zu einem entspannten Zustand führt, der mit dankbaren und friedlichen Gefühlen einhergeht, wird in der GFK Selbstempathieprozess genannt.

Selbstempathie ist spätestens dann notwendig, wenn eine Person nicht so handelte, wie jemand es wünschte oder eine Situation einen unerwünschten Verlauf nahm (Rosenberg 2004a, 147ff.). Oft sind diese Momente mit Gefühlen von Stress, Ärger, Angst oder Verzweiflung verbunden, die, wenn sie übergangen werden, eine eigene unbewusste Dynamik erzeugen und zu Konflikten führen (ebenda).

Eine empathische Beziehung zu sich selbst erlaubt den pädagogischen Fachkräften auf der einen Seite, den Kinder empathisch zuzuhören und auch Körpersignale zu lesen und sie entsprechend feinfühlig zu begleiten und zu verstehen.

Auf der anderen Seite brauchen die pädagogischen Fachkräfte diesen Kontakt zu sich selbst auch, um sich klar und authentisch mitteilen zu können, den Kindern eine Orientierung zu geben und nicht nur einfach Druck abzulassen oder auf sich selbst, die Kinder oder andere ärgerlich zu sein.

Im Alltag der Kita kommt es gerade an dieser Schnittstelle – herausforderndes Verhalten vom Kind und/oder herausfordernde Situation sowie der Qualität der Beziehung der Fachkraft zu sich selbst – zu gewaltvollem Verhalten von pädagogischen Fachkräften (Schulz & Frisch 2016). Hier wirkt sich oft die Asymmetrie in der Machtungleichheit aus, von der Maywald spricht. „Im pädagogischen Alltag ist die Parallelität von Gleichheit und Ungleichheit nicht immer leicht zu balancieren“ (Maywald 2016, 15). Deshalb ist es so wichtig, pädagogische Fachkräfte durch kollegiale Beratung, Fachberatung, Coaching und Fortbildungen zu unterstützen, die Beziehung zu sich selbst im Alltag halten zu können und immer wieder zu klären.

Entsprechend dem Kinderschutzgesetz von 2012 (KKG) erarbeiten gegenwärtig Träger und Teams Kinderschutzkonzepte für ihre Einrichtungen und nutzen dabei auch Verhaltensampeln (Der Paritäitische 2015, 14), um eindeutig bestimmte Umgangsweisen und Akte zu sanktionieren, andere zu diskutieren und abzuwägen und vor allem deutlich zu machen, welche Haltung und welche Handlungen von pädagogischen Fachkräften erwünscht sind.

Im Zusammenhang mit machtvollem Verhalten wird in der GFK zwischen schützender und strafender Macht unterschieden (vgl. Rosenberg 2004a, 179ff.). Im Interesse des Lebens (z.B. zur Vermeidung von Unfällen oder Gewalt) verlangt die GFK deutliche Sanktionen zu setzen und das Verhalten zu beenden. Gleichzeitig empfiehlt die GFK auf eine strafende Macht zu verzichten, wenn Menschen sich in einer Weise verhalten haben, dass Bedürfnisse von anderen nicht erfüllt wurden (pädagogische Fachkraft zieht Kind am Arm). Im Interesse einer nachhaltigen Einflussnahme auf pädagogische Fachkräfte in Grenzsituationen wird in der GFK vorgeschlagen, sie nicht zu beschuldigen oder zu tadeln, sondern „Gütekraft“, wie Gandhi es nannte, zu entfalten. Es wird wahrgenommen, welches Bedürfnis sich die Person mit der untauglichen Strategie zu erfüllen versuchte und sie unterstützt, neue Verhaltensweise zu erlernen.

Das verlangt eine Reflexionszeit, bringt die Fachkräfte möglicherweise mit in der eigenen Kindheit erlernten Denk- und Verhaltensmustern in Kontakt und ist häufig mit der Heilung von altem Schmerz verbunden (Rosenberg 2004a, 189ff.). Auch wenn dieser Teil individuell ist, ist immer auch ein System betroffen, das bestimmte Denk- und Verhaltensweisen stützt und erhält. Deshalb ist es wichtig, Fehlverhalten nicht nur auf individueller Ebene zu betrachten, sondern das System einzubeziehen. Hilfreich dabei sind solche Methoden wie beispielsweise Restorive Justice, wiederherstellende Gerechtigkeit(s. Glossar) .

3.2 Gewaltfreiheit der pädagogischen Fachkräfte gegenüber Kindern

Im Alltag einer Kita lesen Kinder aus vielen Blicken, Gesten und Äußerungen ab, ob die pädagogischen Fachkräfte sie wahrnehmen, wie sie sind und ob sie ihnen vertrauen können (Remsperger 2013). Die Beziehung der pädagogischen Fachkräfte zu den Kindern kann sehr entscheidend sein, ob sich Kinder angenommen fühlen und ihren Platz in der Gemeinschaft finden. Dabei heißt Gewaltfreiheit nicht, „dass uns gefallen muss, was sie tun. Es bedeutet auch nicht, dass wir freizügig und grenzenlos sein müssen oder dass wir unsere Bedürfnisse oder Werte aufgeben. Es ist jedoch notwendig, dass wir Menschen die gleiche Qualität von Respekt entgegenbringen, unabhängig davon, ob sie tun oder nicht tun, was wir von ihnen erbitten“ (Rosenberg 2005, 20).

Mit Erstaunen beklagt Marshall Rosenberg in seinen Büchern einen enormen Mangel an Respekt von Erwachsenen gegenüber Kindern und fragt: „Warum sollte ich einen Menschen anders behandeln als andere, nur weil es zwischen uns Unterschiede in Bezug auf das Alter, auf die Sprache und den Wissensstand gibt?“ (Rosenberg 2004b, 100). Er empfiehlt zu überprüfen, ob Menschen andere in gleicher Weise behandeln, je nachdem ob das Gegenüber ein Kinder, ein/e Erwachsene/e oder gar eine hoch geschätzte Persönlichkeit ist (ebenda, 99).

Dabei sind Erwachsene nicht immer durch ihre Interaktion Vorbild für das, was sie den Kindern in dem Moment vermitteln wollen. Oft unterbinden pädagogische Fachkräfte Gewalt zwischen Kindern, indem sie Gewalt, nun gegen das angebliche Täterkind, verüben. Das Problem ist nicht, dass das Beißen, Schlagen oder ähnliches zwischen den Gleichaltrigen unterbunden wird. Im Interesse des Lebendigen ist hier eine schützende Macht mit ihrem klaren Stopp notwendig (vgl. Rosenberg 2004a, 181ff.). Das Problem besteht darin, mit welcher Intention das Verhalten beendet wird. Häufig ist bereits die Intention der Handlung mit einer Wertung und Beschuldigung verbunden und damit der Weg versperrt, mit dem Kind neue Handlungsstrategien zu erlernen.4 Entsprechend dem systemischen Verständnis (Fuhrmann 2008, 14; Schmieder 2018) geht auch die GFK davon aus, dass beispielsweise ein beißendes oder schlagendes Kind mit seinem Verhalten deutlich auf seine Bedürfnisse im Moment verweist. Es zeigt damit auch, dass es bestimmte Fähigkeiten (z.B. gewaltfrei eine Grenze zu markieren und für sich einzustehen) noch nicht erworben hat und Hilfe braucht, diese zu erlernen. Das kann nur nachhaltig und wirksam sein, wenn es dafür emotional offen und nicht im Überlebensmodus ist (Bauer 2010; Ott et al. 2007, 88f.).

Gewaltfreiheit verlangt von den pädagogischen Fachkräften, möglichst in Sekundenschnelle ihre eigene emotionale Erregung zu balancieren und zu neutralisieren. Sie sind herausgefordert, jenseits von einem Richtig-Falsch- bzw. TäterOpfer-Denken die in der Situation einbezogenen Kinder zu sehen und zu befrieden und eine Konfliktlösung anzubahnen, die das notwendige Lernen aller Kinder in den Moment unterstützt.5

Im Verhältnis der Fachkräfte zu den Kindern hat die Bitte ein besonderes Gewicht, wenn es darum geht, gewaltfreie Beziehungen zu gestalten. Dies trifft umso mehr zu, da Untersuchungen zeigen, dass viele Interaktionen von Fachkräften mit Kindern auf der Ebene der Instruktion ablaufen. Durch die Bitte offenbart sich auf der Handlungsebene deutlich, ob die pädagogischen Fachkräfte in der Lage sind, sowohl die Verantwortung als erwachsenes Vorbild zu tragen als auch die Kinder als gleichwürdig anzunehmen.

Mit der Bitte wenden sich die Fachkräfte an die Kinder oder ein einzelnes Kind, um ihren Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsaufgabe zu erfüllen und den Kindern eine Orientierung über das gewünschte Verhalten zu geben.

Dabei ist die Frage, mit welcher Qualität der „Anweisung“ die pädagogischen Fachkräfte zu den Kindern sprechen. In der GFK wird deutlich zwischen Bitte (der Bereitschaft ein Nein zu hören) und Forderungen unterschieden (vgl. Rosenberg 2004a, 87f).6 „Wenn jemand eine Forderung von uns hört, dann sieht er nur zwei Möglichkeiten: Unterwerfung oder Rebellion“ (ebenda, 99).

Das verlangt von pädagogische Fachkräften deutlich zu machen, dass sie sich an die Kinder wenden, weil sie ein Interesse an der Beziehung mit ihnen haben, sie auch ihre Bedürfnisse hören wollen und bereit sind, gemeinsam eine entsprechende Strategien auszuhandeln. Zu einer solchen Offenheit werden pädagogische Fachkräfte nur in der Lage sein, wenn sie ausreichend mit sich selbst verbunden und entspannt sind.

Bei den Jüngsten in der Krippe könnte das beispielsweise heißen: „Ich sehe und rieche, deine Windel ist voll. Darf ich dich wickeln?... Nein? … Wie machen wir es dann?“ und hier einen Raum lassen, dass sich eine Lösung findet. Unter Umständen kann das auch bedeuten, dass das Kind sich anders entscheidet, weil es gesehen wurde oder jemand anderes das Kind wickelt, weil es dort sich gerade sicherer fühlt.

Im Verständnis der GFK ist von einer Bitte die Rede, wenn

● eine jetzt ausführbare, konkrete Handlung positiv benannt wird (Bitten, was man will, nicht, was man nicht will und das Gegenüber erfährt genau, was er/ sie jetzt tun kann)

● das Gegenüber weiß, um welches Bedürfnis es geht (wozu er/sie mit der Erfüllung der Bitte beitragen kann, welche Bedeutung es hat)

● es die Freiheit gibt, sie zu erfüllen oder auch nicht, und das Gegenüber darf auch Nein sagen (um gerade dadurch die Wahlfreiheit und die Gleichwürdigkeit zu unterstreichen).

In Anlehnung an Neufeld & Maté (2006, 237ff.) werden im Folgende einige Wege vorgeschlagen, wie Bitten genutzt werden können, um die Brücke zwischen verantwortungsvoll agierenden Erwachsen und gleichwürdigen Kind zu schlagen.

1. In der Kommunikation wird auf Verbindung statt auf Trennung gesetzt, um ein Kind dazu zu bewegen, dass es sein Verhalten ändert.

Dazu wird das Kind in seinem Tun/Sein empathisch gespiegelt, um eine Verbindung herzustellen. Auf dieser Basis ist es möglich, die eigene Position authentisch mitzuteilen.

Beispiel: „Ich sehe, welchen Spaß du hast, den Brei auf den Tisch zu verteilen.“ Pause/Blickkontakt/ Offenheit. „Ich möchte, dass du deinen Teller wegräumst. Danach mache bitte den Tisch sauber und wasche deine Hände.“

2. In schwierigen Momenten konzentriert sich die pädagogische Fachkraft in der Kommunikation auf die Beziehung, die sie mit dem Kind haben will, nicht auf den Vorfall.

Das unangenehme Verhalten des Kindes ist auch für Erwachsene in der Regel überraschend und führt zu intensiven emotionalen Reaktionen.

Notwendig ist es, dem eigenen impulsiven und unbeherrschten Verhalten vorzubeugen, sich selbst eine Bedenkzeit zu verschaffen – um letztendlich die Würde beider wahren zu können.

Möglich ist das, indem zunächst das unangemessene Verhalten des Kindes (möglichst unaufgeregt und klar) gestoppt wird. Zugleich ist es wichtig, die Emotionen des Kindes wahrzunehmen und zu spiegeln und dadurch eine Verbindung herzustellen. Anschließend ist es möglich, dem Kind eine Perspektive zu geben, wann gemeinsam der Vorfall besprochen und geklärt wird.

Beispiel: Das Kind schimpft: „Du hast mir gar nichts zu sagen“. Das Verhalten wird gestoppt. Zugleich wird die Befindlichkeit des Kindes gespiegelt. „Du findest doof, was gerade passiert ist...“ Raum lassen, spüren. „Ich möchte, dass wir beide jetzt etwas Abstand voneinander nehmen und uns abkühlen und dann miteinander reden….“ Unbedingt Verbindung halten. Einverständnis, möglicherweise nonverbal, einholen. „Was hältst du davon, wenn wir uns in zehn Minuten zusammen in eine stille Ecke setzen?“

3. Die pädagogische Fachkraft weckt durch ihre Ansprache die gute Absicht des Kindes, anstatt gutes Verhalten zu fordern.

Die GFK geht davon aus, dass jeder Mensch für sich eine gute Absicht hat. Mit jedem Verhalten erfüllt es sich ein Bedürfnis, ob es bewusst ist oder nicht. Bei Juul heißt es, Kinder kooperieren immer (2013, 46ff.).

Dieses Potenzial können pädagogische Fachkräfte nutzen, indem sie sich bewusstmachen, welche Handlungen sie sich von einzelnen Kindern oder einer Gruppe wünschen, sie den Kindern konkret vorschlagen und fragen, ob sie bereit sind, entsprechend zu handeln.

Beispiel: Der/Die ErzieherIn fragt ein Kind, mit dem es im Vorfeld häufig Auseinandersetzungen wegen seiner Unruhe beim Essen gab, einige Zeit vor dem Essen, ob das Kind bereit ist, zu tun, worum sie bittet: „Beim Mittagessen hätte ich dann gern eine ruhige Atmosphäre an den Tischen. Meinst du, du kannst auf deinem Stuhl sitzen bleiben und leise mit den Kindern am Tisch reden?“

Fühlen sich die Kinder als gleichwürdige Partner im Gespräch gesehen, werden sie in einem Habitus frei von Kritik und Rechthaberei angesprochen und ist die Beziehung insgesamt ausreichend positiv, werden sie sich aus Verbundenheit mit den pädagogischen Fachkräften bereitwillig auf deren Bitten einlassen.

4. Ausblick

Der Kita-Fachtext nahm das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung zum Ausgangspunkt, um an Hand einiger Aspekte der Beziehung der pädagogischen Fachkräfte zu sich selbst und zu den Kindern zu beschreiben, was Gewaltfreiheit im Kita-Alltag bedeuten kann. Dabei klafft unter den gegenwärtigen Bedingungen häufig eine Diskrepanz zwischen dem im konkreten Alltag einer Kita erstrebenswerten und den möglichen Handlungen.

Gewaltfrei zu handeln heißt im Verständnis dieses Fachtextes dabei vor allem, diese Diskrepanz wahrzunehmen, zu akzeptieren und zu spüren, welche Gefühle und Bedürfnisse damit verbunden sind. Zum einen wäre es möglich, sich bewusst zu machen, welche Entscheidungen, Handlungen und auch Vorhaben pädagogische Fachkräfte erfreuen und wofür sie also dankbar sind. Zum anderen könnte auch registriert werden, wie welche Lücke weiterhin zwischen den Anforderungen und Bedingen vor Ort klafft. Das entspräche einem kollektiven Akt von Empathie, zu betrauern, wie wenig Ressourcen der frühkindlichen Bildung – auch im internationalen Vergleich oder mit Blick auf die zu erreichende Rendite (Schober, Spieß & Stahl 2017) – zu Verfügung gestellt werden. Gerade aus solch einem bewusst gestalteten Prozess kann Kraft für etwas Neues gewonnen werden (vgl. Macy & Brown 2003).

Dabei wird Gewaltfreiheit in dem Fachtext als eine Vision betrachtet, wie die Beziehungen zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Kindern gestaltet sein können, ohne zu erwarten, dass Gewaltfreiheit immer möglich ist. Menschen sind fehlbar und verletzen einander. Gleichzeitig schließt das Bemühen um Gewaltfreiheit eine Ausrichtung ein, mehr Verbindung und Verständnis und damit mehr (Mit-)Menschlichkeit im Kita-Alltag zu leben und vor allem den vitalen Interessen von Kindern für ein gesundes Aufwachsen besser zu entsprechen. Dient das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung als Handlungsmaxime für pädagogische Fachkräfte und Teams setzen sie sich nicht nur für die Erfüllung der Kinderrechte und für die Qualitätsentwicklung ihrer Einrichtung ein. Sie leisten zugleich ihren Beitrag für mehr Zufriedenheit und Gesundheit aller an der Kita Beteiligten und damit für eine menschenfreundlichere Gesellschaft.

 

 Literatur und Empfehlungen zum Weiterlesen

Ahne, V. (2013): Immer Stress mit der Krippe. Verfügbar unter https://www.spektrum.de/ news/immer-stress-mit-der-krippe/1190475. Zugriff am 1.10.2018.

Ahnert, L. (2010): Wieviel Mutter braucht ein Kind? Bindung – Bildung – Betreuung: öffentlich und privat. Heidelberg: Spekrum. Achtes Sozialgesetzbuch (SGB VIII) - Kinder- und Jugendhilfe. Online verfügbar unter: https:// www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/BJNR111630990.html. Zugriff am 30.09.2018.

Arbeitshilfe Kinder- und Jugendschutz in Einrichtungen (2015). Der Paritätische Gesamtverband (Hrsg.) Online verfügbar unter: https://www.paritaet-berlin.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/2016/Sept.... Zugriff am 5.10.2018.

Altes Testament. Römer. Lutherbibel. Online verfügbar unter https://www.bibleserver.com. Zugriff am 1.10.2018.

Bauer, J. (2010): Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. Frankfurt a.M.: Eichborn. Erweitere und aktualisierte Neuausgabe.

Bowlby, J. (2006): Bindung. München: Ernst Reinhardt. Dittmar, V. (2007): Gefühle & Emotionen. Eine Gebrauchsanweisung. München: V.C.S. Dittmar. 2. Auflage.

Ebert, S. (2008): Krippenerziehung als Profession – Anforderungen an ein modernes Berufskonzept. In Maywald, J. & Schön, B. (Hrsg.) (2008): Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt. Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema. Weinheim: Beltz, S. 178-197.

Fuhrmann, B. (2008): Ich schaffs! Spielerisch und praktisch Lösungen mit Kindern finden – Das 15 Schritte-Programm für Eltern, Erzieher und Therapeuten. Heidelberg: Carl-Auer. 3. Auflage.

Gandhi, M. K. (1991): Satyagraha. Navajivan Press, Ahmedaba 14 Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) (2011): Online unter https:// www.gesetze-im-internet.de/kkg/BJNR297510011.html. Zugriff am 30.09. 2018.

Grundgesetz für die BRD (2017): Online unter http://www.gesetze-im-internet.de/gg/GG.pdf. Zugriff am 30.09.2018.

Härtel, K. D. (2009): Martin Luther King ‚Ich habe einen Traum‘. Brunnen: Gießen. 3. Überarbeitete Auflage

Hüther, G. (2018): Würde. Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft. München: Knaus. 3. Auflage.

Juul, J. (2013): Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie. Reinbek: Rowohlt. 10. Auflage.

King, M.L. (1984): Freiheit. Von der Praxis des gewaltlosen Widerstandes. Wuppertal: Brockhaus.

Kunz, T. (2014): Psychische Belastungen und Beanspruchungen in Kindertageseinrichtungen – und was man dagegen tun kann. (Vortrag) Verfügbar unter: http://www.universum.de/ uploads/607/Psychische_Belastungen_und_Beanspruchungen_in_Kindertageseinrichtungen.pdf, Zugriff am 2.10.2018.

Macy. J. & Brown, M.Y. (2003): Die Reise ins lebendige Leben. Strategien zum Aufbau einer zukunftsfähigen Welt. Paderborn: Junfermann.

Maywald, J. (2016): Kinderrechte in der Kita. Kinder schützen, fördern, beteiligen. Herder: Freiburg i.B. Maywald, J. & Schön, B. (Hsrg.) (2008): Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt. Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema. Weinheim: Beltz.

Neufeld, G. & Maté, G. (2006): Unsere Kinder brauchen uns. Die entscheidende Bedeutung der Kind-Eltern-Bindung. Genius: Bremen. Erweiterte Neuauflage.

Ott, B., Käsgen, R., Ott-Hackmann, H. & Hinrichsen, S. (2007): Die systemische Kita. Das Konzept und seine Umsetzung. Weimar & Berlin: das netz.

Peschel-Gutzeit, L. M. (1999): Mit der Gewalt gegen Kinder muss endlich Schluss sein. Gewalt darf nicht länger ein Mittel zur Erziehung sein. In: Frühe Kindheit. Zeitschrift der Deutschen Liga für das Kind. Nr. 2/1999, S. 4-6.

Prengel, A., Heinzel, F., Reitz, S. & Winklhofer, U. (2017): Reckahner Reflexionen. Zur Ethik pädagogischer Beziehungen. Online verfügbar unter http://paedagogische-beziehungen. eu/materialien-zu-den-reckahner-reflexionen/. Zugriff am 3.12..2018.

Rehmann, Y. (2018): Partizipation in der Krippe – Grundlagen und Anregungen für die Praxis. Verfügbar unter https://www.kita-fachtexte.de/texte-finden/detail/data/partizipationin-d.... Zugriff am 3.12.2018.

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Rogers, C.R. (1983): Entwicklung der Persönlichkeit. Stuttgart: Klett-Cotta, 4. Auflage.

Rosenberg, M.B. (2004a): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Paderborn: Junfermann, 5. Überarbeitete und erweiterte Auflage.

Rosenberg, M.B. (2004b): Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation. Ein Gespräch mit Gabriele Seils. Freiburg, Basel & Wien: Herder. 8. Auflage.

Rosenberg, M.B. (2005): Kinder einfühlend ins Leben begleiten: Elternschaft im Lichte der Gewaltfreien Kommunikation. Paderborn: Junfermann. 3. Auflage.

Rosenberg, M.B. (2006): Die Sprache des Friedens sprechen – in einer konfliktreichen Welt. Was Sie als Nächstes sagen, wird Ihre Welt verändern. Paderborn: Junfermann.

Schleifer, R. (2012): Lernvermeidung: nicht lernen lernen. In Dorschky, L., Kurzke, C. & Schneider, J. (Hrsg.): LernZeichen. Lernen und Schriftspracherwerb als Herausforderung für Kindertagesstätten, Schule und Jugendhilfe. Opladen, Berlin & Toronto: Budrich Unipress.

Schmieder, J. (2018): Jedes Verhalten macht Sinn. Herausfordernde Situationen in der Kita systemisch betrachtet. Online verfügbar unter https://www.kita-fachtexte.de/textefinden/detail/data/jedes-verhalten-ma.... Zugriff am 30.9.2018.

Schober, P. Spieß, K. & Stahl, J. (2017): Gute Gründe für gute Kitas! Wer nutzt welche Qualität und was bedeutet sie für die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit? FriedrichEbert-Stiftung.

Schulze, I. & Frisch, S. (2016): Kein Kind darf in der Ecke stehen. Recht auf gewaltfreie Erziehung. In: Betrifft KINDER, Nr. 3/2016, S. 6-11.

Singer, T. & Bolz, M. (Hrsg.) (2013): Mitgefühl in Alltag und Forschung. Ebook. München: Max Planck Gesellschaft. UN-Kinderrechtskonvention. Übereinkunft über die Rechte des Kindes. (1989). Online verfügbar unter https://www.kinderrechtskonvention.info/uebereinkommen-ueber-dierechte-d.... Zugriff am 30.9.2018.

Viernickel, S., Fuchs-Rechlin, K., Strehmel, P., Preissing, C., Bensel, J. & Haug-Schnabel, G. (2015): Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Freiburg im Breisgau: Herder.

Viernickel, S., Nentwig-Gesemann, I., Nicolai, K., Schwarz, S. & Zenker, L. (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. Online verfügbar unter http://docplayer.org/17635320-Forschungsbericht-schluessel-zu-guter-bild.... Zugriff am 30.9.2018.

Wink, W. (2014): Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit. Regensburg: Friedrich Pustet.

 

Glossar

Bedürfnisse  - Sie sind die universelle Lebensenergie, die Menschen lebendig sein läßt. Bedürfnisse zeichnen sich dadurch aus, unabhängig von Ort, Zeit, Personen zu sein. In der GFK wird von Bedürfnissen gesprochen, wenn alle Menschen, dieses Bedürfnis kennen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Rasse oder Religion. Gleichzeitig wird zwischen den Bedürfnisse und den Strategien, Wegen und Bitten, sie zu erfüllen, unterschieden. Gefühle Innerliche, körperlich spürbare Bewertung eines Sachverhaltes. In der GFK wird der Auslöser (z.B. das Verhalten anderer) und die Ursache (unsere Bedürfnisse) für Gefühle unterschieden.

Restorative Justice - Aus dem Englischen für „Wiederherstellende Gerechtigkeit“. Es ist eine Form der Konflikttransformation durch eine gemeinschaftliches Wiedergutmachungsverfahren. Es greift Elemente jahrhundertealter Verfahren der Verständigung und Heilung in den sozialen Beziehungen verschiedener Kulturen auf und kann auch ein gerichtliches Strafverfahren ersetzen oder ergänzen.

Konsent - Vorschlag für eine Entscheidung, bei der nicht (wie beim Konsens) die Mehrheit gewinnt, sondern alle ihr Einverständnis (bzw. keinen schwerwiegenden Einwand) gegen ein Vorhaben erklären. Damit werden die Bedürfnisse aller gewürdigt.

Win-Win-Prinzip - Aus dem Englischen win für ‚Gewinn‘. Ein Weg der Konfliktlösung, der das Ziel hat, zum Nutzen für alle Beteiligten zu handeln und einen Interessensausgleich zwischen gleichwertigen Partnern herzustellen.

 

Erstveröffentlicht bei den Kita-Fachtexten unter www.kita-fachtexte.de am 6.12.2018.

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Barbara Leitner

Die Autorin Barbara Leitner ist Journalistin, Coach und zertifizierte Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (CNVC), spezialisierte sich auf (Früh-)pädagogik und ist als Prozessbegleiterin, Kommunikationstrainerin und Coach vorranging für Kita und Schulen tätig.

Empfehlungen zum Weiterlesen:

Rosenberg, M.B. (2004): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Paderborn: Junfermann, 5. überarbeitete und erweiterte Auflage.

Prengel, A., Heinzel, F., Reitz, S. & Winklhofer, U. (2017) Reckahner Reflexionen. Zur Ethik pädagogischer Beziehungen. Online verfügbar unter http://paedagogische-beziehungen. eu/materialien-zu-den-reckahner-reflexionen/. Zugriff am 3.12..2018.

Gewaltfreiheit in der Kita zu leben heißt, einen Ort der Selbstbestimmung und Verbundenheit zu schaffen, an dem die Würde aller respektiert wird. Kinder und pädagogische Fachkräfte fühlen sich dort sicher und wohl.

Barbara Leitner
Von Barbara Leitner • 01.03.2019

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