Erzieherin mit Mädchen
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Fachkräftemangel

KiTa-Fachkräfte gewinnen und halten

Durch den quantitativen Ausbau an Plätzen der Kindertagesbetreuung in Folge des im Jahr 2013 eingetretenen Rechtsanspruchs auf Kindertagesbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, aber auch der erweiterten Öffnungszeiten in Kindertageseinrichtungen sowie neuer struktureller und konzeptioneller Anforderungen – z. B. die Orientierung zu Familienzentren – wird derzeit versucht, das Platzangebot in der Kindertagesbetreuung bedarfsgerecht zu erweitern.

BMFSJF

Gleichzeitig geht damit ein steigender Bedarf an pädagogischen Fachkräften im Bereich der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) einher. Verschiedene Prognosen (z. B. prognos AG, 2018) zeigen jedoch, dass sich der Mangel an qualifizierten pädagogischen Fachkräften in den nächsten Jahren deutlich verschärfen wird. Um einen genauen Überblick über die gegenwärtige Arbeitsmarktsituation sowie Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung und Fachkräftesicherung im Feld der FBBE zu gewinnen, gab das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Expertise in Auftrag.

Das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung im Forschungs- und Innovationsverbund FIVE der Evangelischen Hochschule Freiburg analysierte unter Leitung von Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff Instrumente zur Fachkräftegewinnung und -sicherung in der Kindertagesbetreuung unter besonderer Berücksichtigung bundesweiter, länderspezifischer und regionaler Gegebenheiten.
 

Wie ist der Stand der Ausbildungsangebote? Welche Instrumente zur Steigerung der Attraktivität des Berufs „Erzieherin/Erzieher“ werden eingesetzt? Welche Maßnahmen werden zur Fachkräftesicherung umgesetzt? Diesen und weiteren Fragen wurde in der Studie nachgegangen, um einen möglichst umfassenden bundesweiten Überblick zu erhalten und dabei die Perspektiven der verschiedenen Ebenen – von den Vertretungen der zuständigen Länder, von Trägerverbänden bis hin zu den Kita-Leitungen in der Praxis –, zu berücksichtigen. Dabei wurde ein multimethodales Forschungsdesign, bestehend aus qualitativen (Leitfaden-Interview) und quantitativen (Online-Fragebögen) Erhebungsmethoden, gewählt. Basierend auf den Erkenntnissen wurden zudem Handlungsempfehlungen formuliert.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse veranschaulichen, dass bei der Debatte um den Fachkräftemangel regionale Disparitäten in den Blick genommen werden müssen: Ein wesentliches Ergebnis besteht darin, dass von einem bundesweit einheitlichen Fachkräftemangel nicht gesprochen werden kann, weil es starke regionale Unterschiede gibt, die sich nicht an einem einfachen Stadt-Land-Gegensatz festmachen lassen. In Hinblick auf Maßnahmen zur Fachkräftesicherung kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Einführung tätigkeitsbegleitender und vergüteter Ausbildungsmodelle hohe Attraktivität gewinnt und zu einer deutlichen Aufwertung des Berufsfeldes führt. Auch die Möglichkeit des Quereinstiegs wird bundesweit zunehmend genutzt. Allerdings werden auch hier sehr starke regionale und länderspezifische Unterschiede deutlich. Zudem konnten eine Reihe von Maßnahmen, v. a. in Form von qualifizierten Weiterbildungsangeboten und Personalentwicklungsmaßnahmen identifiziert werden. Derartige Qualifikationsmöglichkeiten führen zu einer erhöhten Arbeitszufriedenheit und Bindung der Fachkräfte.

 

Handlungsempfehlungen

Auf Basis der Studienergebnisse können u. a. folgende Handlungsempfehlungen abgeleitet werden:

  • Die Ausbildung sollte in allen Ausbildungsstätten kostenfrei sein, um eine Gewinnung von neuen Fachkräften zu erleichtern. Während der Ausbildungszeiten sollten die Schülerinnen und Schüler eine Vergütung – wie in anderen Ausbildungsberufen auch – erhalten. Die bestehenden und durchweg positiv bewerteten Modelle der berufsbegleitenden/praxisintegrierten Ausbildungen sollten ausgeweitet werden.
  • Zur Fachkräftesicherung, zur Steigerung der Berufsattraktivität sowie zur Verbesserung der Personalsituation in den Einrichtungen bedarf es einer Verbesserung der Anstellungsverhältnisse etwa durch die Entfristung von Arbeitsverträgen sowie den generellen Verzicht auf befristete Arbeitsverträge. Zudem braucht es flexible, demografieorientierte Arbeitszeitmodelle (u. a. für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie) und die Verbesserung der Vergütungsstrukturen.
  • Multiprofessionelle Teams sind dabei die Zukunft – es braucht jedoch Voraussetzungen, um in diesen stabil, qualitätsvoll und mit hoher Arbeitszufriedenheit arbeiten zu können (s. Weltzien et al., 2016). Auch Möglichkeiten zur Spezialisierung innerhalb der Teams (mit entsprechender Vergütung) sollten im Sinne horizontaler Fachkarrieren geschaffen und gefördert werden.
  • Leitungskräfte haben eine hohe Bedeutung für die Qualität der pädagogischen Arbeit, für Teamentwicklung und die Arbeitszufriedenheit der Fachkräfte. Besonders wichtig ist dabei eine fachliche (Weiter-) Qualifizierung der Leitungen, z. B. im Bereich Personalentwicklung, und eine Klarheit der Rolle, was nur unter der Bedingung ausreichender Zeitbudgets möglich ist.
  • Um den Beruf bekannter und attraktiver zu machen bedarf es darüber hinaus einer stärkeren Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit.
  • Für einen langfristigen Überblick der Fachkräftegewinnung und -sicherung, wäre ein dauerhaftes Monitoring notwendig, um Langzeitentwicklungen abbilden und klarere Aussagen über Trends treffen zu können.

Weitere Informationen
Langfassung Expertise „Untersuchung des Standes der Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung und -sicherung im Feld der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in Deutschland“

Von BMFSJF • 30.07.2019

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