Erzieherin mit Kindern
© Diego Cervo_shutterstock_51806641.jpg
Arbeitsmarkt Kita

Personalfrage als entscheidende Zukunftsfrage für KiTas

In Berlin ist jetzt das neue Fachkräftebarometer der WiFF vorgestellt worden. In seiner Einleitung unterstrich DJI-Direktor Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, dass „die Dynamik des Arbeitsfeldes weiterhin absolut ungebrochen ist“. Im Resümee wurde auch ein "uneingelöstes Professionalisierungsversprechen" deutlich. Für das WiFF-Fachkräftebarometer werden die offiziellen Daten und Datensätze der Jugendhilfe für Ausbildung und Arbeitsmarkt ausgewertet und auch mit anderen Arbeitsfeldern verglichen.

Karsten Herrmann

20190625 125525 175 Nach wie vor beeindruckend ist das ungeheure Personalwachstum im KiTa-Bereich: Seit 2000 haben sich die Stellen von 375.000 auf 768.000 in 2018 mehr als verdoppelt. Von 2017 auf 2018 sind noch einmal rund 30.000 Stellen hinzugekommen. Als stabil hat sich dabei das Qualifikationsniveau der Fachkräfte erwiesen: Rund zwei Drittel der Fachkräfte sind ausgebildete Erzieher*innen, gefolgt von Kinderpflegerinnen und Sozialassistenti*nnen. Deutlich erhöht hat sich 2006 auch der Anteil der Akademiker*innen, der um mehr als 200 Prozent auf 23.300 Personen gestiegen ist, aber im Gesamtanteil immer noch bei bescheidenen 6 Prozent liegt. Insgesamt ist das Arbeitsfeld KiTa jünger geworden und liegt mit 41,0 Jahren jetzt unter dem Gesamtdurchschnitt des Arbeitsmarktes.

 

3.252 Euro durchschnittlicher Verdienst

Hoch ist hier nach wie vor aber auch die (in der Regel von den Arbeitnehmerinnen gewünschte) Teilzeitquote mit ca. 60 Prozent. Die Befristungsquote liegt mit 13 Prozent etwas höher als im Gesamtarbeitsmarkt mit 9 Prozent. Nach wie vor ist die KiTa auch ein Arbeitsfeld der Frauen und der Männeranteil hat sich seit 2012 nur um 1 Prozent auf jetzt 5 Prozent erhöht. Überdurchschnittlich stark gestiegen um 15,7 Prozent ist der Bruttoarbeitslohn der Fachkräfte von 2017 - 2017 und liegt jetzt im Schnitt bei 3.253 Euro monatlich.

Nur noch ein langsamer Anstieg ist bei den Ausbildungszahlen zu verzeichnen: Von 2014/15 bis 2017/18 erhöhten sich diese leicht um 2.000 auf insgesamt 38.000 – hier scheinen zumindest in Westdeutschland die Fachschulen am Rande ihrer Kapazitäten und zwar sowohl im Hinblick auf Räumlichkeiten wie Lehrpersonal.

 

Kindertagespflege mit Anstieg des Betreuungsverhältnisses

In der Kindertagespflege konstatierte Thomas Rauschenbach seit 2014 eine Stagnation bei rund 44.000 Tagespflegepersonen. Bemerkenswert ist aber die gleichzeitige Zunahme der betreuten Kinder auf 167.000 im Jahr 2018 – das bedeutet einen Anstieg des Betreuungsverhältnisses von 1:2,0 in 2006 auf aktuell 1:3,8.

20190625 152747 175Im Anschluss an die Vorstellung des aktuellen Zahlenmaterials sortierte die langjährige WiFF-Leiterin Prof. Dr. Anke König diese fachlich ein. Sie bewertete die „Personalfrage als entscheidende Zukunftsfrage“ für die frühkindliche Bildung. Parallel zu einer nach wie vor hohen Ausbaudynamik stehe die Anforderung nach Qualitätsverbesserungen z.B. im Hinblick auf den Personalschlüssel, Verfügungszeiten und Leitungsfreistellungen. Positiv hob sie heraus, dass derzeit keine (statistischen) Anzeichen für eine Dequalifizierung zu erkennen seien.

 

Pluralität des Arbeitsfeldes steigt

Grundsätzlich verstärke die Expansion die Pluralität des Arbeitsfeldes und die Teams der rund 56.000 KiTas änderten sich sowohl von ihrer Zusammensetzung als auch von ihrer Größe her. Im Schnitt seien mittlerweile 11 Fachkräfte pro KiTa beschäftigt. Größere Einrichtungen böten in der Regel eher die Möglichkeit Funktionsstellen (z.B. Sprachförderkraft) zu besetzen und Leitungen freizustellen. Noch immer seien 10 Prozent der KiTas aber gänzlich ohne Leitung.

Der Praxisintegrierten Ausbildung (PIA) schrieb Anke König das Potenzial zu, die Ausbildung der Fachkräfte zu reformieren. Doch dafür müsste der Ausbildungsort Praxis deutlich gestärkt und Mentoring systematisch gefördert werden.

Erfreulicherweise, so Anke König, werde die Personalgewinnung zunehmend als gemeinsame Aufgabe von Träger und KiTa gesehen. Defizite gebe es aber zugleich bei einer systematischen Personalentwicklung in den Einrichtungen.

 

"Uneingelöstes Professionaliserungsversprechen"

Als „uneingelöst“ bezeichnete Anke König das „Professionalisierungsversprechen“ und eine entsprechend erhöhte Akademiker*innen-Quote in den KiTas. Gerade im Hinblick auf den professionellen Umgang mit den „Ambiguitäten und sogenannten Normenkonflikten“ in der KiTa seien akademisierte Fachkräfte gut vorbereitet. Sie hätten die heute notwendige Schlüsselkompetenz, „die Profile der unterschiedlichen Fachkräfte in ein gutes Zusammenspiel zu bringen und damit höhere pädagogische Qualität zu ermöglichen“.

Abschließend forderte Anke König „proaktiv Rahmenbedingungen zu verbessern“. Es brauche eine „kohärente Steuerung des Systems durch verbindliche Standards auf Bundes- und Landesebene“. Nur so sei der öffentlichen Verantwortung für das Aufwachsen junger Menschen in einer Zeit des sozialen Wandels gerecht zu werden.
 

"Dramatische Situation in KiTas"

In einem sich anschließenden Podiumsgespräch diskutiert Anke König die „Personalfrage als Schlüsselfrage für die Qualität in KiTas“ noch weiter mit Vertreter*innen von Gewerkschaft, Träger, Forschung und Politik. Sabine Urban von der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) bewertet die Kinder- und Jugendhilfe als „Berufsfeld der Zukunft“ und forderte eine „systemische Betrachtung des Ganzen“. Es brauche hier eine „Gesamtstrategie für die Personalfrage“ und der Ermöglichung von Wechseln und Aufstiegen in der ganzen Breite des Berufsfeldes. Sie verwies auf ein entsprechendes Positionspapier der AGJ zur Fachkräftegewinnung.

Als Gewerkschaftsvertreterin von verd.i führte Elke Alsago eindringlich die derzeit „hochdramatische Situation“ für die Fachkräfte in den KiTas vor Augen. Diese hätte den Ausbau mitgetragen und fühlten sich jetzt angesichts der vielen unbesetzten Stellen „allein gelassen“ und an den Grenzen der Belastung. Die Personalsituation in den KiTas sei oftmals nicht mehr tragbar und viel öfters müssten Überlastungs- bzw. Gefährdungsanzeigen gestellt werden. Dafür forderte Elke Alsago auch die Rückendeckung der Träger ein.

Von Karsten Herrmann • 26.06.2019

Zum Newsletter anmelden

Meine Kita