Lehrerin vor der Tafel mit Schülern die aufzeigen
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Rezension

Blick in die Fachzeitschriften für die Grundschule

Der Blick in die Fachzeitschriften der Grundschule verweist unter anderem die Gedanken unterschiedlicher Autoren und Experten zu "100 Jahre Grundschule in Deutschland". Das Grundschulmagazin widmet seine aktuelle Ausgabe dem Thema "Wald". Aus unterschiedlichen Perspektiven und mittels zahlreicher Beispiele aus der Praxis wird dieser Naturraum als Lern-und Erlebnis-Ort beschrieben.

Renate Mann

"100 Jahre Grundschule: Ein Grund zu feiern?"

Grundschule aktuell, Zeitschrift des Grundschulverbandes, Heft 146/ Mai 2019

Dieses Heft widmet sich anlässlich des Bundesgrundschulkongresses im September 2019 der historischen Rückschau auf 100 Jahre Grundschule, von den aktuellen Problemen gemeinsamen, grundlegenden Lernens bis hin zu den Herausforderungen zukünftiger Bildungsinhalte und Kompetenzorientierungen.

Horst Barnitzky, Pädagoge und Ehrenmitglied des Grundschulverbandes, gibt in seinem Basisartikel einen reflektierenden Einblick in die pädagogischen Ziele, die die Entwicklung der Grundschule bis heute bestimmen. Vor 50 Jahren fand eine tiefgreifende Reform statt, die nicht von Hindernissen und Rückschlägen verschont blieb. Von neuen Konzepten, die sich immer wieder an vermeintlichen gesellschaftlichen, auch globalen Bedarfen ausrichteten, nennt Barnitzky als Fazit einer kindgerechten Grundschule "die individuelle Förderung jedes Kindes, eingebunden in das Miteinander der Lerngruppe und der Schule in der Grundstufe eines inklusiven Schulsystems." (aus: Die "für alle gemeinsame Grundschule" - wo stehen wir heute?, S.3-6)

Mit einem historischen Abriss weist  Margarete Götz darauf hin, wie sich die Bildungsinstitution einer gemeinsamen Grundschule in 100 Jahren entwickelte, warnt jedoch vor der zunehmenden "Segregation der Schulanfängerinnen und Schulanfänger" aus ethnischen und sozialen Gründen. Dies bedrohe den historisch errungenen Stellenwert einer ersten und einzigen gemeinsamen Schule. (Aus: 100 Jahre Grundschule-eine Erfolgsgeschichte?; S.7- 11)

Einen besonderen historischen Aspekt beschreibt Michael Töpfer mit seinem Artikel zur Elternarbeit bzw. Elternmitwirkung in der Schule. Die Zusammenarbeit von Schule ist nicht genuin gegeben, sondern bedarf ausreichender Information beider Seiten über Möglichkeiten und Grenzen von Mitgestaltung. (S. 31-33)

Gudrun Schwarz berichtet aus 46 Jahren Erfahrung als Unterstufenlehrerin in der ehemaligen DDR und den unsicheren Zeiten nach der Wende, aber zugleich auch über die gelungene Neuorientierung „Eine Schule für alle KIDS" der Grundschule in Halle (S.12-16).

Michaela Vogt setzt sich anhand von vier Fallbeispielen (Gründungsdokumente, "Grundlegende Bildung", Integrations- und Migrationsdebatte) kritisch mit Grundschul-Pädagogik auseinander und zeigt Defizite auf, die möglicherweise die "Feierlaune" beeinträchtigen werden (S.17-20).

Ähnlich argumentiert Marcel Helbig, der Trends aufzeigt, die auch an Grundschulen ungleiche Bildungschancen belegen(S.21-22). Auch  Brigitte Schumann weist auf die "scharfen soziokulturellen Trennungslinien" hin und fordert, gemäß des UNESCO Weltaktionsprogramms "Bildung für nachhaltige Entwicklung", das Bildungssystem radikal im Sinne einer inklusiven Schule zu verändern (S. 28-30). Einen möglichen Ausweg zeigt der Artikel von Reinhard Stähling und Barbara Wenders "Vertieft lernen dürfen, Langformschule von 1-10 als `Schule ohne Schulversagen`". Es geht um "lernen in guten Beziehungen", die Unterrichtende und Schüler gemeinsam in Lernprozesse eintauchen lässt. Fachkompetenz ist das eine, unterstützende Begleitung das andere. Kompetenzen können individuell erweitert und so zu einem "einzigartigen Profil entfaltet" werden. Die Autoren betonen: "Die Verantwortung für den Lernerfolg jedes Kindes tragen alle Schulstufen und Schulformen." (S23-.27).

In weiteren Beiträgen geht es um Schriftkultur von der Kita bis zur weiterführenden Schule und Unterrichtsangebote aus dem Bremer Projekt "Eine Welt in der Schule".

Englisch differenziert

Fördermagazin Grundschule, Englisch differenziert, Ausgabe 1/2019, Feb/März/April, Oldenbourg, Pädagogische Zeitschriften

Gemäß dem angekündigten Titel liegt der Schwerpunkt auf der Differenzierung im Englischunterricht. Es wird im Basisartikel auf vier verschiedene Formen der Differenzierung hingewiesen und diese erklärt: Äußere und innere Differenzierung, quantitative und qualitative innere Differenzierung.

Von der Autorin Daniela Elsner wird kritisch darauf hingewiesen, dass ein zu hoher Grad an Individualisierung zu "Entsozialisierung" führen kann, die das gemeinsame Lernen aus dem Blick verliert (S. 5-9).

Unterschiedliche Autoren beschreiben in ihren  Artikeln Methoden wie Lerntheken, Stationen, Rollenspielen und der Umgang mit medialen Angeboten und bieten ergänzend eine Vielfalt an Kopiervorlagen an (S.10-25). Um Störfaktoren zu minimieren und Lernzeit zu optimieren, plädiert die Autorin Christine Fink zu "Verfahrensweisen im Schulalltag", die die vielfältigen Abläufe eines Unterrichtstages sinnvoll ritualisieren. Dazu zeigt sie anhand von Beispielen, wie Verfahrensweisen eingeübt werden und situationsgerecht verfügbar bleiben(S. 26-29).

Sebastian Lutz beschreibt die "Förderung von lautgetreuem Lesen und Schreiben" nach Reuter-Liehr über einen Zeitraum von drei Monaten. Vier Grundprinzipien wie ein kleinschrittiger Verlauf, das Erarbeiten der Wörter vom Leichten zum Schweren, vom Häufigen zum Seltenen sowie strategiegeleitetes Lernen sollen die Lese- und Rechtschreibleistungen verbessern. Das Fazit bestätigt, dass der Erfolg des Programms sowohl von einer längeren Anwendung als auch von der Auseinandersetzung mit dem Material verbunden mit einer Fachkompetenz der Lehrkraft abhängt.

Wald - vielperspektivisch

Grundschulmagazin, Impulse für kreativen Unterricht, 3/19,  Mai/Juni 2019, Oldenbourg Verlag, Pädagogische Zeitschriften

Das Ökosystem Wald wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, jenseits von einem romantisierenden Bild einer "unberührten Natur". Es geht um ausgewählte Unterrichtseinheiten zu Tieren und um den Erwerb naturwissenschaftlicher Kompetenzen.

Im Basisartikel "Vielfältiger Wald" setzt sich die Autorin Julia Schwanewedel dafür ein, das Ökosystem Wald neu zu entdecken. Neben der Beschreibung des außerschulischen Lernorts  (großer Ravensberg) als Erlebnisort  Wald für "lebensnahes Lernen" von den Autoren Helvi Koch und Hartmut Giest vorgestellt (S. 38-42), wird von Sandra Deibl der grundsätzlichen Frage nachgegangen: "Was ist Wald". Auch sie zeigt auf, wie mit allen Sinnen der Lernort Wald für Kinder erfahrbar wird (S.26-31).

In einem Entdeckertagebuch halten sie ihre Erlebnisse und Ergebnisse fest. Geografische Basiskompetenzen bringt die Autorin Sonja Mehringer mit dem Blick auf einen eher ungewöhnlichen Themenbereich, den Bergwald als Schutzwald, unterstützt durch vielfältige Kopiervorlagen nahe (S. 18-25). In dem Unterrichtsbeitrag "Waldtieren auf der Spur" werden von den Autorinnen Kathrin Goller und Teresa Friedrich am Beispiel des Eichhörnchens ganz praxisnah und fächerverbindend naturwissenschaftliche Methoden erprobt (S. 12-17).

Anders, jedoch mit dem gleichen Ziel, naturwissenschaftliche Arbeitsweisen zielgerichtet anzuwenden und so "einen Bezug zwischen Aussehen und Funktion herzustellen", wird das Beispiel des Buntspechtes  eingesetzt. Am selbst gebauten Modell erfahren Kinder anhand von Körpermerkmalen etwas über Ernährung und Brutverhalten des Höhlenbrüters(S.32-37).

Im vorliegenden Heft werden auch die Rubriken "Dialoges Lernen" mit dem Umgang mit dem „SoDenkeIch-Heft“ Sonja Bucher, (S.49-51), "Kinder mit chronischen Krankheiten" mit dem Beitrag des Facharztes Dr. Sören Dülsner zu Diabetes Mellitus (S.53-56) fortgeführt. Auch „Deutsch als Zweitsprache“ von Marina Goldstein mit Kopiervorlagen (S.57-59), sowie der Einsatz "Digitaler Medien" (hier: Erweiterung der Lese- und Sprachkompetenz) wird fortgesetzt: Julia Greisel stellt die Methode des Adaptable Book mit Hilfe eines Tablets  am Beispiel des Märchens "König Drosselbart vor (S.60-62).

Im "Material kompakt" bietet Christian S. Groß motivierende "Zehn-Minuten-Rechenspiele" zum Üben mathematischer Operationen an. Ganz am Ende befinden sich wie gewohnt Rezensionen zu Büchern und Medien zum Thema.

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Von Renate Mann • 08.06.2019

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