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Literaturbesprechung

Problemorientiert lernen mit passenden Aufgaben

So können Lehrer ihre Schüler besser unterstützen: Neueste Beiträge zum Thema Aufgaben aus der Grundschulforschung.

Thea Wittmann

ZfG Zeitschrift für Grundschulforschung. Nr. 1/2019, Springer

„Aufgabenkultur und Aufgabenqualität " ist der Schwerpunkt der Ausgabe 1/2019. Sechs Forschungsbeiträge beleuchten das Thema in verschiedenen Facetten, zwei Beiträge liefern Stoff zur Diskussion. Offene Beiträge beschäftigen sich mit dem Übergang von der Kita zur Grundschule, der Selbstwirksamkeitserfahrung von Kindern, der Frage, welchen Einfluss Rückmeldungen auf den Lernerfolg haben, wie sich Jungen und Mädchen zum Lesen motivieren lassen und wie sich der Wortschatz in Klasse 1 bis 3 entwickelt. Die Rezensionen im Anhang stellen neue Bücher zu Bildungschancen („Partner auf Augenhöhe?“) und zur Entwicklung didaktischer Materialien („Schulische Materialität“) vor.

Anregung zum Problemlösen

Welchen Effekt haben kognitiv-aktivierende Aufgaben aufs Lernen? Dieser Frage geht Marc Kleinknecht im Einführungsbeitrag Aufgaben und Aufgabenkultur (S.1 – 14) nach. Kognitiv-aktivierende Aufgaben sind komplex und problemorientiert, sie sollen Schüler motivieren, sich selbstständig mit einem Thema auseinanderzusetzen. Doch genau da liegt das Problem: Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, ist laut der ersten TIMSS-, PISA- und IGLU- Studien bei vielen deutschen Schülerinnen und Schülern nicht sonderlich ausgeprägt. Die Lösung von Routineaufgaben funktioniert hingegen ganz gut.

Welche Konsequenzen hat das für die Aufgabenkultur in verschiedenen Fächern und Schularten, was muss sich ändern? Kleinknecht bildet den aktuellen Forschungsstand ab, liefert empirische Befunde aus Unterrichtsvideostudien und bietet einen Ausblick, was in der Unterrichtsforschung im Hinblick auf Fachdidaktik und Fortbildung von Lehrkräften noch getan werden muss.

Erfolgreiche Fortbildung

"Auswirkungen situierter Lehrerfortbildung auf Maßnahmen der Aufgabendifferenzierung und Lernunterstützung im schriftsprachlichen Anfangsunterricht "(S. 83-99) von Susanne Gebauer liefert dazu interessante Ansätze: Schule soll kein träges, sondern anwendbares Wissen vermitteln und sie soll alle Schüler trotz unterschiedlicher Lernvoraussetzungen gleichermaßen fördern. Wie das funktionieren kann? Durch wirklichkeitsnahe Anforderungen, die alle mit einbeziehen und keine Schüler „abhängen“.

Situierten Fortbildungen können Lehrende unterstützen, solche Aufgaben zu konzipieren: Qualifizierungen, die in den jeweiligen situativen Kontext eingebettet sind und verschiedene Leistungsniveaus berücksichtigen.

Daher forscht die Autorin am Beispiel des Lesen- und Schreibenlernens, welche Auswirkungen situierte Fortbildungskonzepte für Lehrer und Schüler haben. Dazu wurden im Unterricht einer siebenköpfigen situierten Fortbildungsgruppe Videodaten und Interviews erstellt. Die fortgebildeten Lehrpersonen bauten mehr und häufiger Differenzierungen in ihren Unterricht ein und nahmen deutlich wahr, dass sich ihr Unterricht und die Lernerfolge der Schüler dadurch verbesserten.

Schuleingangsuntersuchung

„Hand-aufs-Ohr-Test“ zur Feststellung der Schulreife, das war einmal. Seit den 1990er Jahren wurde das Einschulungsverfahren in Deutschland kontinuierlich reformiert. Heute geht es in erster Linie darum, schon vor der Einschulung Kompetenzen und Potentiale der Kinder festzustellen. Für einen guten Übergang in die Schule lässt sich so schon früh genug eine vorschulische Förderung anstoßen.

Der Beitrag "Mathematische Aufgaben und ihre Bearbeitung im Kontext von Schuleingangsdiagnostiken an Grundschulen" von Anna Beutin und Helga Kelle (S. 15-31) basiert auf einem Forschungsprojekt an acht Grundschulen. Dieses Projekt widmete sich dem Test von Mengen-, Zahlen- und Ziffernwissen und seiner Dokumentation.

Kritisch sehen die Autorinnen die Art, wie die Ergebnisse dokumentiert werden, nämlich in den Kategorien richtig oder falsch. Das lässt keine Rückschlüsse darauf zu, auf welchem Weg die Ergebnisse zustande kamen. Ein Beispiel: Ist ein Kind mit einem falschen Ergebnis nicht in der Lage, eine logische Kette mit geometrischen Formen fortzusetzen oder kann es einfach die entsprechende Form nicht zeichnen, z.B. ein Dreieck? Leistungen der Kinder bleiben dabei auf der Strecke, weil sie in der Dokumentation nicht erfasst werden können. Positiv gesehen heißt das: Das Testverfahren bietet alle Möglichkeiten für eine Differenzierung, wenn es nur richtig dokumentiert wird, d.h. wenn es darstellt, wie die Leistung zustande kam.

 

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Von Thea Wittmann • 14.05.2019

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